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Taxi Times D-A-CH Oktober/November 2016

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. ANTRIEB Ein Einheitstaxi, das alles kann. Hier die Idee eines Frankfurter Unternehmers. Konzepte für neue Verkehrsarten entstehen bereits. Diese Variante nennt sich „Le Cristal“ und wird in Straßburg getestet. DAS »MULTITAXI« SCHLIESST DIE LÜCKE Damit sich als neue Verkehrsform das »geteilte Taxi« durchsetzen kann, müssen sieben grundlegende Anforderungen erfüllt sein. !!! Willkommen im Online-Shop !!! www.teautoteile.de Bestellungen auch telefonisch möglich! 06078-9358-0 Zahlreiche Städte wachsen – und damit deren Verkehrs- und Luftprobleme. Auf vielen städtischen Straßen stockt zunehmend der Verkehr, gleichzeitig wächst bei der ansteigenden urbanen Bevölkerung die Nachfrage nach Mobilitätsangeboten. Zahlreiche Start-up-Firmen und ihre Investoren wittern Goldadern, neue Trends und Themen werden ausgerufen und ausprobiert: Car- und Ridesharing, Elektromobilität, selbstfahrende Autos und neue Sammelbeförderungen per App wie allygator und CleverShuttle. Letztere Angebote veranlassten den Taxi-Times-Redakteur Jürgen Hartmann zu dem Kommentar: „Verschläft das Taxigewerbe den nächsten Trend?“ – so wie einst die App-Bestellungen? Die genannten Angebote werben mit preiswerten Sammelbeförderungen. Tatsächlich klafft zwischen den Verkehrsmitteln Taxi und Linienbus eine Angebotslücke. Deshalb haben die Hamburger Taxenverbände Sammeltouren schon im Tarifantrag teuer ist woanders preisgünstiger geht nicht! 2014 thematisiert, nämlich die sitz- und nicht wagenweise Vermietung von Taxi und Fahrer. Es sollten die Vorzüge des Taxis (Mobilität von Haustür zu Haustür, Sitzplatzgarantie, hohe Flexibilität durch Fehlen von starren Strecken und Fahrplänen) verbunden werden mit den Preisvorteilen von Busfahrten. Fahrerlose Taxis könnten individuelle Beförderungen drastisch preiswerter machen. Aber mit einer Realisierung von selbstfahrenden Autos, welche mit den städtischen Herausforderungen wie querenden Verkehren (Fußgänger!) und einer zwingenden Betriebssicherheit auch bei Regen oder Schneefall klarkommen, ist vermutlich erst in Jahrzehnten und keinesfalls in wenigen Jahren zu rechnen. Vermutlich kommen die stadttauglichen selbstfahrenden Autos am gleichen Tag, an denen die ebenfalls von der IT-Industrie versprochenen papierlosen Büros eingeführt werden. Gegenüber den Wolkenkuckucksheimen der Programmierer wäre ein Verkehrsmittel zwischen Taxi, dem ältesten Carsharing- System der Welt, und dem Linienbus eine mach- und bezahlbare Innovation. Solche multifunktionalen Großtaxis (hier kurz Multitaxi genannt) werden für ein breites FOTOS: Wilfried Hochfeld / Taxi Times, Michael Linke 22 OKTOBER / NOVEMBER / 2016 TAXI

Angebotsspektrum geplant, sie fahren als Sammeltaxi genauso wie als Busersatz. Folgende grundlegende Anforderungen müssen aus meiner Sicht konzeptionell berücksichtigt werden: 1. Eine funktionierende Sammelbeförderung von Haustür zu Haustür lässt sich nur mit Bestelltouren auf die Beine stellen. Egal ob per Telefon oder App, der Vermittlungsserver muss den Fahrwunsch sinnvoll einplanen und dann für die Fahrgäste vorab eine Abhol- und eine Reisezeit sowie einen Fahrpreis errechnen können. Eine Ausnahme vom Bestellzwang können z. B. temporäre Shuttle-Angebote von und/oder zu Hotspots mit einer zeitweilig deutlich erhöhten Nachfrage und tendenzieller Unterversorgung sein (beispielsweise Messeende). 2. Für den Fahrkomfort sind Limousinen das Vorbild (z. B. richtige Einzelsitze, weiche Federung), aber das Platzangebot und damit die Variabilität des Fahrzeugs muss sich stärker an Bussen orientieren. Für die Kundenakzeptanz wird es nötig sein, jeden Sitz ohne Aufstehen anderer Fahrgäste oder gar Umklappen von Sitzen erreichen und verlassen zu können, am besten stehend und nicht gebückt. Für das Gepäck werden die Fahrgäste selber Sorge tragen müssen, es muss am oder in der Nähe des Sitzplatzes sicher unterzubringen sein (siehe Gepäckfächer im ICE). Die problemlose Mitnahme mindestens eines Elektro-Rollstuhles wäre heutzutage Pflicht und nicht nur Kür, folgerichtig muss eine niederflurige oder zumindest eine Low- Entry-Bauweise genutzt werden. 3. Für die Akzeptanz eines neuartigen Verkehrsmittels muss es einen modernen, leisen und umweltfreundlichen Antrieb aufweisen. Selbst ein reiner Elektroantrieb wäre durch die vorgeplanten Touren machbar. 4. Der Fahrpreis berechnet sich nach der kürzesten Strecke zwischen dem Abhol- und Zielort des jeweiligen Kunden und beträgt maximal die Hälfte des normalen Taxipreises. Es gibt Mengenrabatte, wenn eine zeit- und streckengleiche Tour für mehrere Personen gebucht wird, ansonsten würde der Fahrpreis einer Gruppe von drei oder vier Personen hier teurer werden als im normalen Taxi. Weil die Bezahlung aus Zeitgründen unbar erfolgt, müssen auch Prepaid- sowie allerlei gängige Formen des bargeldlosen Zahlens angeboten werden. 5. Es stellt sich längerfristig die Frage der Betreiberschaft der neuen Multitaxis: Taxiunternehmer oder ÖPNV-Anbieter? Für Erstere spricht die Erfahrung des Taxigewerbes mit Free-Floating-Angeboten ohne Streckennetz und ohne Fahrplan-Taktung. Andererseits ist das neue Verkehrsmittel geeignet, Buslinien an Orten oder zu Zeiten zu ersetzen, welche nachfrageschwach sind. Ein z. B. genossenschaftlicher Zusammenschluss von Multitaxi-Unternehmern müsste mit dem Verkehrsverbund intensiv kooperieren oder sogar Teil eines solchen Verkehrsverbundes werden. 6. Multitaxis sind auf Flexibilität konzipiert und können die unterschiedlichsten Funktionen ausfüllen, um den je nach Wochentag und Uhrzeit wechselnden Kundenbedürfnissen gerecht zu werden: Mal als ÖPNV unterwegs (dann subventioniert), mal als Taxi (dann nicht subventioniert). Multitaxis können sowohl rein nachfrageorientiert fahren (wie beim Taxi) als auch Shuttlefahrten von einem festen Startplatz und/oder zu einem festen Zielort anbieten (wie beim Bus). Sie fahren von Tür zu Tür (wie beim Taxi), warten aber nicht auf Fahrgäste, welche nicht zur vereinbarten Zeit am Abholort einsteigen (wie beim Bus). Fahrgäste haben eine Sitzplatz-Garantie (wie beim Taxi), kümmern sich um ihr Gepäck aber selber (wie beim Bus). 7. Multitaxis können nicht nur im städtischen, sondern auch im ländlichen Bereich sinnvoll eingesetzt werden. In Gebieten mit sinkenden Bevölkerungszahlen ist die Finanzierung von zwei weitgehend inkompatiblen Verkehrssystemen (Bus und Taxi) zunehmend schlechter zu stemmen. Multitaxis, die sowohl die Aufgaben der heutigen Linienverkehre als auch die der klassischen Taxis übernehmen, lassen sich zumeist kostengünstiger betreiben als in Summe die beiden bisher getrennten Systeme. Im Ergebnis könnte man in schwächer besiedelten Gebieten im Rahmen bisheriger Budgets mehr Mobilität anbieten. Fazit: Mit einem neuen Verkehrsmittel zwischen Taxi und Linienbus ließen sich zahlreiche Verkehrsprobleme, sowohl städtische als auch ländliche, lösen oder zumindest mildern. Mit den gleichen Fahrzeugen werden zeitweilig subventionierte ÖPNV-Angebote und zu anderen Zeiten privatwirtschaftliche Taxi-Sammelbeförderungen angeboten. Die notwendige Flexibilität wird durch eine kleinteilige Betreiberschaft erreicht, in welcher Mobilität günstiger organisiert werden kann als bei den größeren ÖPNV-Anbietern. Den Subventions gebern des ÖPNV können in enger Kooperation mit lokalen Verkehrsverbünden Mobilitätsangebote dort gemacht werden, wo zu nachfrageschwächeren Zeiten der Betrieb klassischer Linienbusse zu teuer ist. Mit den deutlich preiswerteren Taxi-Sammeltouren erreicht das Taxigewerbe zudem neue Kundenschichten, die für eine bequeme und sichere Fahrt von Tür zu Tür einen höheren Preis als beim ÖPNV, aber unterhalb von Taxi zu zahlen bereit oder in der Lage sind. Ein Gastkommentar von Clemens Grün CLEMENS GRÜN ... ... ist Vorsitzender des HTV – Hamburger Taxenverbands e. V. Mit seinen HTV-Mitstreitern organisierte er für alle Hamburger Gewerbeverbände die letzten beiden Hamburger Taxidemos 2012 und 2014, Letztere gegen illegale Taxikonkurrenten wie Uber. Im Dezember 2014 führte Grün im Nachrichtenmagazin „Spiegel“ ein Streitgespräch mit dem damaligen Deutschland-Chef von Uber. Aktuell ist er Teil einer Arbeitsgruppe, die zusammen mit der Hamburger Handelskammer einen innovativen Dreijahresplan für das Hamburger Taxigewerbe erstellt. Wenn Zeit bleibt, schreibt er für seinen Blog „Taxi-Magazin.de“. TAXI OKTOBER / NOVEMBER / 2016 23

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