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Taxi Times DACH - 1. Quartal 2021

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CORONA IM NORDEN UMSATZ,

CORONA IM NORDEN UMSATZ, IM SÜDEN PROTESTE Die föderale Corona-Uneinigkeit der Länder zeigt sich auch bei der Kostenübernahme für Impf-Taxifahrten. Während Berlin, Niedersachsen & Co. großzügig agieren, zeigen andere Bundesländer die kalte Schulter. Das Jahr 2021 begann für das Berliner Taxigewerbe mit einer guten Nachricht. Bereits Anfang Januar beschloss die dortige Landesregierung, allen Senior*innen, die älter als 80 sind, die Taxikosten zum Impfzentrum und zurück zu erstatten. Später wurde das Angebot dann auch auf die Ü70-Impflinge ausgeweitet. Bei der Berliner Taxizentrale, die mit der Organisation vor Ort und mit der Abrechnung betraut wurde, herrscht seitdem ein positiver Ausnahmezustand. Fast 400.000 Fahrten sind im ersten Quartal abgewickelt worden, was für die Zentrale bedeutet, dass auch ebenso viele Coupons mit den Unternehmern abgerechnet werden müssen und im Call-Center eine entsprechend hohe Anzahl an Anrufen eingeht. Das war zu Beginn fast gar nicht zu stemmen. „Die Vielzahl der Bestellungen selbst ist gar nicht das Problem. Vielmehr sind beim Deutschen Roten Kreuz (DRK), dem Organisator der Impfzentren, die Call-Center überlastet, sodass viele mit Fragen zur Impfung bei uns anrufen, die wir gar nicht beantworten können“, schilderte Hermann Waldner, Geschäftsführer von Taxi Berlin, die ersten Wochen, in denen man den „größten Auftrag in der Geschichte des Berliner Taxigewerbes“ abarbeitete. Schnell wurde eine eigene Impftaxi-Rufnummer freigeschaltet und publik gemacht. Parallel wurde auch die Internetseite umgestaltet, sodass die Fahrten mit wenigen Mausklicks auch online bestellt werden können. An den Berliner Impfzentren stellt das Berliner Taxigewerbe zudem einen eigens organisierten Leitstellendienst zur Verfügung. Die dort tätigen Mitarbeiter organisieren die An- und Abfahrt der Taxis, geben den Fahrern die Coupons aus und helfen bei der Verkehrskoordination – was speziell bei einem Impfzentrun, der Arena, aufgrund der dort vorherrschenden unzureichenden Verkehrsinfrastruktur immer wieder zu Problemen führt. „An der Arena bilden inzwischen sieben Personen die Taxi-Leitstelle. In der Zufahrt steht eine(r), zwei schreiben für die mit Fahrgast ankommenden Taxis Coupons, drei sind im Ausgangsbereich dafür zuständig, dass die geimpften Personen, ohne lange auf ein Taxi warten zu müssen, nach Hause chauffiert werden und eine(r), die/ FOTOS: IsarFunk, Axel Rühle, LV Bayern, Taxi Times 22 1. QUARTAL 2021 TAXI

CORONA Übersicht: Wo das Bundesland oder die Kommunen die Taxikosten der Impffahrten übernehmen. Die Botschaften der Münchner Taxidemo am 24.3.2021. der koordiniert, ob Taxis stehen bleiben dürfen oder das Gelände frei machen müssen“, beschreibt Hayrettin Simsek (Simi) den Ablauf vor Ort. Der Berliner Taxiunternehmer ist sonst eigentlich als freier Redakteur für Taxi Times tätig, ist aber seit Januar als Mitarbeiter an der Arena im Einsatz. Berlin ist nicht das einzige Bundesland, das die Taxikosten für Fahrten zum Impfzentrum übernimmt. Auch Niedersachsen erklärte sich schon früh dazu bereit, später dann auch Hessen und die Stadtstaaten Bremen und Hamburg. Parallel dazu übernahmen auch viele Kommunen in Eigenregie die Kosten. Taxi Times hat dies während der ersten Wochen in einer großen Übersicht dokumentiert und laufend aktualisiert. Es wurde die Meldung mit der höchsten Klickrate. HESSENS ERBÄRMLICHE BILANZ Meist waren die Zusagen mit bestimmten Voraussetzungen verknüpft. So mussten viele Senior*innen zunächst einmal mit der Krankenkasse abklären, ob diese nicht sowieso die Kosten übernehmen muss, beispielsweise aufgrund bestimmter Merkmale im Schwerbehindertenausweis. Außerdem war eine Bestätigung vom Hausarzt notwendig und es musste sichergestellt sein, dass nicht doch ein Nachbar, Verwandter oder Bekannter als Chauffeur zur Verfügung steht. In Hessen waren diese Bürokratiemonster offenbar zu hoch. Dort wurden bis Anfang April gerade einmal zehn(!) Anträge auf Fahrtkostenübernahme gebilligt. Was wie in Hessen wenigstens theoretisch zugesagt wurde, fand in südlichen und östlichen Bundesländern gar nicht statt. Im Saarland, in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und in allen „neuen“ Bundesländern stießen die dortigen Taxi-Landesverbände mit ihren Vorschlägen bei der Landespolitik auf taube Ohren. Ebenso in Bayern, wo der bayerische Ministerpräsident Markus Söder, der sonst ja gerne als großer Corona-Kümmerer auftritt, keinerlei Interesse für Impftaxis zeigte. „Für sozial solidarische Leistungen fehlt der politische Wille“, fasst Florian Bachmann vom Taxiverband München (TVM) das Ergebnis monatelanger Gespräche mit diversen Ministeriumsvertretern zusammen, bei denen man letztlich immer nur auf die Zuständigkeit eines anderen Ressorts oder auf die Kommunal- bzw. Bundesebene verwiesen worden war. Diese Ignoranz hat für das bayrische Taxigewerbe vor allem im städtischen Bereich fatale Folgen. Rund 900 Taxikonzessionen wurden alleine seitens der Münchner Taxiunternehmen in den vergangenen Monaten gezwungenermaßen stillgestellt oder zurückgegeben. „Das Taxi stirbt in der Pandemie“, sagt Florian Bachmann. Sein Verband hatte deshalb am 24. März gemeinsam mit dem LV Bayern sowie den beiden Taxizentralen IsarFunk und Taxi München eG eine Taxidemo durchgeführt, an der über 600 Taxis aus München und vielen anderen Regionen teilgenommen haben. Sie fuhren in einer Sternfahrt aus vier verschiedenen Himmelsrichtungen und versammelten sich anschließend auf der Münchner Theresienwiese. Eine Abschlusskundgebung war coronabedingt nicht genehmigt, die Botschaft an die Politik wurde allerdings über die Medien vermittelt (siehe QR-Code). Politisch bewirkt hat aber auch diese Aktion nichts. Mit einem Markus Söder als potenziellem neuem Bundeskanzler hat das Taxigewerbe wohl keinen Freund im Kanzleramt. jh GEMEINSAM SIND WIR IMPFTAXI! Verschiedene Taxiunternehmer haben bemerkenswerte Taxi-Allianzen gebildet. Im niedersächsischen Gifhorn haben beispielsweise 14 Taxi- und Mietwagenunternehmen Mitte Februar anhand einer gemeinsamen Telefonnummer eine zentrale Anlaufstelle für Menschen gegründet, die eine Fahrt zum Impfzentrum benötigen. Dort erhielten Bewohner des Kreises nicht nur Informationen zu den teils komplexen Regelungen, etwa zur Kostenübernahme, sondern konnten auch ihre Fahrten zum Impfzentrum buchen, unabhängig davon, an welchem Ort des Landkreises zwischen Wolfsburg, Braunschweig, Celle und Uelzen sie zu Hause sind. Eine ähnliche Kooperation haben die Taxiunternehmen im Oberbergischen Land auf die Beine gestellt. Hier konnte sogar ein um 10 Prozent vergünstigter Sondertarif für die impfberechtigten Senioren Saarland vermittelt mit Seibt & Straub- Technik. ausgehandelt werden, was nach Paragraf 51, Absatz 2 des Personenbeförderungsgesetzes (PBefG) für einen bestimmten Zeitraum möglich ist. Der Oberbergische Kreis liegt in Nordrhein-Westfalen und somit in einem der Bundesländer, in dem die Kosten für Impftaxis nicht übernommen wurden – ebenso wie im Saarland, wo sich daraufhin ebenfalls engagierte Taxiunternehmer zusammengeschlossen haben. Sie bieten über eine zentrale Rufnummer bzw. über die Website www.impftaxi-saarland.de die (Vor-) Bestellung einer Impftaxifahrt für das komplette Saarland an. Vermittelt werden die Fahrten dann an die jeweiligen Taxiunternehmen vor Ort. Die Initiatoren Steve Schneider und Michael Neuhäusel greifen dabei auf das Vermittlungssystem von Seibt & Straub zurück. Wie das funktioniert, können sie auf der Taxi Times-Website nachlesen. jh TAXI 1. QUARTAL 2021 23

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