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Taxi Times DACH - 3. Quartal 2022

HAMBURG ZUSCHLAG FÜR

HAMBURG ZUSCHLAG FÜR DAS FAHRRAD Hamburgs Taxitarifordnung sieht seit diesem Jahr auch einen Zuschlag bei einer Fahrradmitnahme vor. Ein Hamburger Taxibetrieb hat dafür eine Lösung auf seinem Toyota Prius. ERSATZ FÜR DIE SCHIENE Als ein wichtiger Hamburger S-Bahnhof über mehrere Wochen nur eingleisig befahren werden konnte, wurden auch Großraumtaxis für den Schienenersatzverkehr eingesetzt. Als ein wichtiger Hamburger S-Bahnhof über mehrere Wochen nur eingleisig befahren werden konnte, wurden auch Großraumtaxis für den Schienenersatzverkehr eingesetzt. Am Heck des Taxis von Clemens Grün von Greencab befindet sich seit Kurzem ein Fahrradträger, den der Hamburger Unternehmer für 200 Euro Aufpreis sogar in Hellelfenbein hat lackieren lassen. Die Apparatur besteht aus einem Grundträger und einem in verschiedenen Ausführungen erhältlichen sogenannten Tieflader, der dafür sorgt, dass die Räder nicht sehr hoch gehoben werden müssen. Da die Hydraulik der Kofferraumklappe nicht auf das zusätzliche Gewicht ausgelegt ist, gehört zum Lieferumfang auch ein Zubehör-Teil, das beim Öffnen der Kofferraumklappe auf die Stange gesteckt wird und so die Klappe oben hält. Einschließlich Montage, Beleuchtung, Extra- Nummernschild und Lackierung kostet der Träger 1.300 Euro. Hersteller ist die Firma Paulchen. Refinanzieren lassen sich diese Ausgaben durch einen Fahrradzuschlag (8 Euro), der seit Juni 2022 im Hamburger Taxitarif geregelt ist. Der Zuschlag darf aber ausdrücklich nur bei Transport des Fahrrads oder der Fahrräder auf einem Fahrradträger erhoben werden. Mit dieser Vorgabe will die Behörde verhindern, dass keine Fahrräder zusätzlich berechnet werden, Clemens Grün darf für solche Fahrradtransporte acht Euro Zuschlag pro Bike verlangen. die unsachgemäß und ungesichert in den Kofferraum geschmissen werden. ar NOCH MEHR HAMBURGER TAXITHEMEN Eingeschränkter Betrieb am Hamburger S-Bahnhof Elbbrücken. Mitte August war beim Brand eines Lkw der direkt darüber liegende S-Bahnhof Elbbrücken so sehr beschädigt worden, dass die Haltestelle während der wochenlangen Reparaturarbeiten nur eingleisig befahren werden konnte. Um den dadurch entstehenden Fahrgaststau aufzufangen, setzte die Bahn Schienenersatzverkehr ein. Zum Einsatz kamen dabei neben eigenen Fahrzeugen der Betreibergesellschaft HVV und 15 Moia-Fahrzeugen auch zehn Großraumtaxis mit jeweils mindestens sieben Fahrgastplätzen. Vier von ihnen waren elektrisch angetrieben, zwei als Inklusionstaxi ausgestattet. Sie waren jeweils von Montag bis Samstag zwischen 5 Uhr und 1 Uhr sowie sonntags zwischen 8 Uhr und 24 Uhr im Einsatz. „Die Fahrzeuge sind bei den Taxenvermittlern Hansa-Funk, Das Taxi und Autoruf/Taxi Hamburg 6×6 angeschlossen und entsprechend mit dem Hinweis ,Schienenersatzverkehr‘ gekennzeichnet“, teilt die Stadt zu Beginn der Aktion mit. Anjes Tjarks, Senator für Verkehr und Mobilitätswende, freute sich, „dass die Taxiunternehmen zusätzlich zu den bereits eingeführten Verstärkerfahrten, Pendelzügen, Moia-Shuttles sowie eingesetzten Gelenkbussen den Schienenersatzverkehr unterstützen“. jh FOTOS: Paul Preß - Behörde für Verkehr und Mobilitätswende Hamburg, Pixabay 30 3. QUARTAL 2022 TAXI

MÜNCHEN ZU WENIG Bei Taxitarif-Erhöhungen berichtet die Presse selten reflektiert über die Ursachen. Die »Bayerische Staatszeitung« schreibt gar von »sozialer Sprengkraft« – ohne Konsequenzen zu fordern. ZU VIEL Als Fußballprofi Manuel Neuer in einem Münchner Taxi seinen Geldbeutel liegen ließ, tat der Fahrer mehr als nötig und beschwerte sich hinterher über den »Finderlohn« – ein Eigentor. FOTOS: Collage Axel Rühle, Pixabay Mitte August pickte die BSZ Städte und Landkreise mit überdurchschnittlichen Tariferhöhungen heraus. Zitiert wird Thomas Kroker vom Landesverband Bayerischer Taxi- und Mietwagenunternehmer, dass in vielen Gebieten die Preise seit Jahren nicht mehr angepasst worden waren. Ursachen seien auch die Erhöhung des Mindestlohns und der Spritpreise. Zu den Auswirkungen stellt die BSZ Thesen auf, etwa eine Behinderung der Verkehrswende oder Mehrausgaben für die Krankenkassen und als Folge Beitragserhöhungen. Lösungen werden nicht vorgeschlagen. NICHT GESELLSCHAFTSFÄHIG Bei der mobilen Daseinsvorsorge sind Taxitarife, die für bestimmte Zielgruppen unerschwinglich sind, in der Tat nicht gesellschaftsfähig. Bei absolut unumgänglichen Preiserhöhungen liegt es aber in der Verantwortung der Politik, die Branche zu unterstützen. Während die kommunalen Verkehrsbetriebe großzügig subventioniert werden (und dann zum Teil neue On- Demand-Flotten auf die Straße bringen), trägt sich jeder Taxibetrieb selbst. Die Unterstützung muss nicht teuer sein: Ausnutzung des Rechtsrahmens des Personenbeförderungsgesetzes (PBefG), Regionalisierungsmittel auch für das Taxi oder Verhinderung von Dumpingverträgen mit Krankenkassen könnten Taxibetrieben rentables Arbeiten zu kundenfreundlichen Preisen ermöglichen. jh Soziale Sprengkraft: Tariferhöhungen beim Taxi sind nicht Ursache, sondern Folge. NOCH MEHR MÜNCHNER TAXITHEMEN Als Manuel Neuer Mitte Juli seine Geldbörse mit Kreditkarte, Ausweis, Führerschein und 800 Euro Bargeld im Taxi liegen ließ, fuhr der Fahrer am nächsten Tag unaufgefordert zu Neuers Privat adresse am Tegernsee – hin und zurück 110 Kilometer – und gab sie dort ab. Neuer (Jahresgehalt: 11 Mio. Euro) ließ ihm als Dank ein Fußballtrikot mit Autogramm schicken. Der Da ein Taxi ein öffentliches Verkehrsmittel ist, steht dem Inhaber oder Personal kein Finderlohn auf liegen gebliebene Gegenstände zu. Fahrer empfand das als Hohn und ging an die Presse. Plötzlich war zu lesen, wie enttäuscht der Fahrer über den „Finderlohn“ gewesen sei. KEIN ANSPRUCH AUF FINDERLOHN Für viele Kolleg*innen hat der Münchner Taxifahrer damit ein Eigentor geschossen, weil ihm rein rechtlich gar kein Finderlohn zugestanden hätte: „Wer eine Sache in den Geschäftsräumen oder den Beförderungsmitteln einer öffentlichen Behörde oder einer dem öffentlichen Verkehr dienenden Verkehrsanstalt findet und an sich nimmt, hat die Sache unverzüglich an die Behörde oder die Verkehrsanstalt oder an einen ihrer Angestellten abzuliefern“, heißt es im Paragraf 978 des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB). So lobenswert also das Verhalten des Münchner Taxifahrers war: Sich hinterher als Opfer darzustellen und eine prominente Person damit zu diskreditieren, wirft kein gutes Licht auf die Taxibranche. ar/jh DIE WELT DREHT SICH ANDERS. WIR KAUFEN NACH WIE VOR IHR GEBRAUCHTES TAXI! www.taxifahrzeuge.de TAXI 3. QUARTAL 2022 31

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