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Taxi Times DACH - 3. Quartal 2022

ETM DOPPELINTERVIEW MIT

ETM DOPPELINTERVIEW MIT DR. MICHAEL STEHR UND MARKUS GOSSMANN »WIR WERDEN EIN FAHRZEUG VERLOSEN« Die Europäische Taximesse (ETM) war bis 2018 immer eng mit der Stadt Köln und den Namen Holger Goldberg und Peter Zander verbunden. In deren Fußstapfen sind nun Geschäftsführer Dr. Michael Stehr und Vorstandsvorsitzender Markus Gossmann von der Fachvereinigung Personenverkehr Nordrhein getreten. Der Taxiverband aus Monheim fungiert als Veranstalter der Europäischen Taximesse, die erstmals anstatt in Köln nun in Essen stattfindet. TAXI TIMES: Herr Dr. Stehr und Herr Gossmann, was hat Sie und Ihr Team dazu bewogen, mit der Europäischen Taximesse den Veranstaltungsort zu wechseln? GOSSMANN: Wir hatten in Köln jahrzehntelang dieselben Ansprechpartner, die aber aufgrund messeinterner Umstrukturierungsmaßnahmen gewechselt haben. DR. STEHR: Wir sind seit Jahrzehnten in Köln gewesen und haben die Corona-Pause genutzt, auch mit anderen Messegesellschaften zu verhandeln, und sind dann als Ergebnis dieser Verhandlungen bei dem ein klein wenig besseren Angebot aus Essen hängen geblieben. Die Messe Essen konnte uns etwas mehr Flexibilität bieten. Diese Flexibilität und auch der Preis waren die wesentlichen Faktoren in den Gesprächen, die wir geführt haben. Welche Infrastruktur erwartet die Besucher in Essen in Bezug auf Parkplätze, Verpflegung und Hotels? DR. STEHR: Strukturell sind wir mit der ETM in Essen gut aufgestellt. Essen hat einen ICE-Bahnhof, per Flieger ist Düsseldorf der nächstgelegene Flughafen. Zur Messe selber kommt man mit der U-Bahn oder mit dem Auto. Direkt am Messegelände gibt es ausreichend kostenpflichtige Parkplätze, rund um das Messegelände viele Hotels sowie Restaurants und Kneipen (siehe dazu auch unseren Beitrag auf Seite 16). Der Eintritt ist wie schon in Köln frei. In Köln hatte sich in den letzten zehn Jahren alles in einer 14.000 Quadratmeter großen Halle abgespielt. Wie ist es nun in Essen? DR. STEHR: Wir haben diesmal zwei Hallen, von denen eine mit gut 8.000 Quadratmetern seit Ende August voll ausgebucht ist. Durch die kurzfristige Hinzunahme einer zweiten Halle konnten wir den Ausstellern stets eine Ausstellungsfläche passend zum Bedarf anbieten. Wie kann man es sich vorstellen? Ist alles eine Nummer kleiner als noch in Köln? DR. STEHR: Die 14.000 Quadratmeter aus Köln werden wir nicht erreichen. Das liegt allein schon daran, dass frühere Partner wie Mercedes oder VW ihre Messeflächen verkleinert haben. Bis Ende August hatten sich rund 70 Aussteller angemeldet. Sind sie zufrieden mit dieser Beteiligung? GOSSMANN: Nach der langen Pause und den Rahmenbedingungen, die wir vorgefunden haben, können wir mit dem Buchungsstand der Messe sehr zufrieden sein. Im Großen und Ganzen haben wir wenig Aussteller verloren. Und dafür andere Aussteller neu gewonnen. Deshalb wird die Messe ein Erfolg werden. DR. STEHR: Wir hatten uns im Frühjahr zum Ziel gesetzt, die Halle 1 vollzubekommen. Da sind wir jetzt schon weit drüber. Es ist vor allem die komplette Vielfalt repräsentiert. Autohersteller, Zulieferer, Autohäuser, Fahrzeug-Umbauer, viel Digitales, Versicherungswesen. Das ist extrem erfreulich und zeigt, dass ganz viele Partner durch diese Messe den direkten Kontakt zu den Taxi- und Mietwagenunternehmern suchen. Nach vier Jahren Pause wird es ja auch allerhöchste Zeit für solch einen persönlichen Kontakt. Speziell in diesem Jahr haben viele Fahrzeughersteller aus verschiedenen Gründen das Taxigewerbe sehr stiefmütterlich behandelt. Spüren Sie das auch bei den Standbuchungen? DR. STEHR: Fakt ist, dass wir weniger Konzerne, aber viele Autohäuser dahaben. Es sind weiterhin alle wichtigen Marken in Essen vertreten? DR. STEHR: Das kann man so festhalten. Es geht ja bei vielen Autoherstellern darum, im nächsten Jahr Marktanteile zu erobern. Wenn Unternehmer keine E-Klasse mehr bekommen, müssen sie überlegen, welches Taxis sie dann kaufen wollen. Somit ist der Wettbewerb um Marktanteile jetzt eröffnet. Mercedes hatte Ende Februar angekündigt, künftig keine E-Klasse mehr als Taxi zur Verfügung zu stellen. Auf der Taximesse sind sie werkseitig auch nicht mehr vertreten. GOSSMANN: Dafür haben wir aber die Fahrzeugwerke Lueg aus Bochum gewonnen. Diese haben etwa 31 Standorte in Europa und FOTOS: FVPN 8 3. QUARTAL 2022 TAXI

ETM Markus Gossmann, Vorstandsvorsitzender der Fachvereinigung Personenverkehr Nordrhein (ganz links) und Geschäftsführer Dr. Michael Stehr (links) Kommen wir zum Rahmenprogramm: Die International Road-Union wird diesmal keine internationale Taxikonferenz pa rallel zur ETM abhalten. Wie europäisch ist diese Taximesse noch? DR. STEHR: Bei den Ausstellern ist sie überraschend stark europäisch. Wir haben einige Aussteller aus Großbritannien, aus Bulgarien, einer kommt auch aus Ungarn und natürlich auch das Nachbarland Holland. Wir können nur noch nicht einschätzen, wie viele europäische Besucher kommen, da müssen wir uns überraschen lassen. einen Jahresumsatz von 1,1 Milliarden Euro. Die Fahrzeug-Werke Lueg AG sind laut Wikipedia „einer der größten Mobilitätsanbieter in Deutschland und einer der wichtigsten Vertriebs- und Servicepartner der Daimler AG“. Daran sieht man auch, dass bei den großen Händlern nach wie vor das Interesse am Taxigewerbe vorhanden ist. DR. STEHR: Lueg ist auch deshalb für uns sehr interessant, weil dieser Händler auch andere Partner in Europa anspricht. Die Verlosung einer E-Klasse war immer das große Zugpferd für viele Besucher. Was wird diesmal geboten? DR. STEHR: Es wird keine E-Klasse zur Verlosung geben, aber es wird ein anderes Fahrzeug sein. Wir haben mehrere Optionen, müssen aber jetzt schauen, welche gezogen werden kann. GOSSMANN: Diese Unsicherheit hängt auch mit der allgemeinen Lieferproblematik zusammen. Wo man früher eine Wartezeit von drei Monaten hatte, wartet man mittlerweile zwölf Monate auf ein Fahrzeug und hat dann immer noch keine Sicherheit, dass es dann auch wirklich da ist. DR. STEHR: Eventuell werden wir auch eine Gutschein-Lösung wählen. Damit hat man dann immerhin die Chance, ein Auto zu gewinnen, das man im Jahr 2023 bekommt. Der Gewinner würde es sicherlich verzeihen, wenn er es erst ein halbes Jahr später auf dem Hof stehen hat … GOSSMANN: Davon gehen wir auch aus. Diese Messe hat weniger Ausstellungsfläche mit Taxi-Fahrzeugen, dafür sind weiterhin viele Zubehör- und Softwareanbieter vertreten. Entwickelt sich die Europäische Taximesse von einer Fahrzeugausstellung zu einer Digital- und Technikschau? GOSSMANN: Man verkennt, wie digital das Taxi auch schon in der Vergangenheit war. Beim Taxiunternehmer und bei der Zentrale ist schon seit mehr als zehn Jahren alles digital - auch wenn das Auto nach wie vor eine wichtige Bedeutung hat, denn darin wird schlussendlich der Kunde gefahren. Wie wird das Rahmenprogramm aussehen? DR. STEHR: Unter anderem wird es sowohl am Freitag wie auch am Samstag ein Fachforum geben, auf dem wir die derzeit drängendsten Themen diskutieren wollen. Wo wird es diese Podien geben? DR. STEHR: Wir werden das in die Halle 2 integrieren, den Forumsbereich aber abteilen, damit keine Lärmstörungen für die Aussteller entstehen. Es sind also für den Besucher kurze Wege und man kann bei Interesse jederzeit reinhören. GOSSMANN: Wer etwas verpasst, muss sich auch nicht ärgern, denn die Diskussionen werden alle aufgezeichnet und die wesentlichen Statements werden wir in kurzen Clips über Social Media veröffentlichen. Gibt es ein Programm für die Forumsthemen und wo bekommt man es als Besucher? DR. STEHR: Zum einen wird es auf unserer Homepage www. eurotaximesse.de nachzulesen sein, zum anderen werden wir auf der Messe auch entsprechende Programmflyer verteilen. Der grobe Zeitplan ist Freitag, 10.30 Uhr bis 16 Uhr + Tombola, am Samstag ab 14 Uhr + Tombola. Können Sie uns in einem Satz sagen, warum jeder Taxi- und Mietwagenunternehmer am 4. und 5. November nach Essen kommen sollte? GOSSMANN: Weil sich – wie auch jeder gemerkt hat – die Zeiten geändert haben und wir auf der Messe zeigen, welche Möglichkeiten der Taxiunternehmer und eine Zentrale haben, darauf zu reagieren. DR. STEHR: Weil auf der ETM die wichtigen Themen der nächsten Jahre diskutiert werden und die dort gezeigten Produkte eine Entscheidungshilfe für jeden Unternehmer sind. Wir bedanken uns für das Interview und wünschen Ihnen eine erfolgreiche Taximesse. jh TAXI 3. QUARTAL 2022 9

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