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Taxi Times DACH - 4. Quartal 2020

DISRUPTION & ORDNUNG

DISRUPTION & ORDNUNG DISRUPTION & ORDNUNG ZWISCHEN DISRUPTION UND ORDNUNG Mit einem in vier Themen-Panels aufgeteilten Tageswebinar hat der Bundesverband Taxi und Mietwagen seine Reihe »TAXI Driving Innovation« fortgesetzt. Dabei kamen auch US-Experten zu Wort. Einer dieser Experten ist der Amerikaner Bruce Schaller, der schon vor einigen Jahren in einer Studie die Umweltbelastung durch Uber-Flotten belegt hat. Damals kam er zu dem Schluss, dass die neuen Mietwagenverkehre allein in neun amerikanischen Städten für zusätzlich über 5,7 Milliarden gefahrene Meilen verantwortlich sind. Für die Luftqualität ist das eine enorme Belastung. Für Amerika, so glaubt Schaller, kam der Erfolg von Uber & Co. überraschend. Speziell in New York, denn im Vergleich zum Taxi war Uber dort nicht günstiger. Außerdem gebe es in New York auch keinen Taximangel. Schaller schließt daraus, dass der Erfolg von Uber & Co. auf den komfortablen Bestell- und Bezahlvorgang via App fußt. Der US-Experte empfiehlt, die Regulierung der Mobilitätsdienstleister den Kommunen zu überlassen, Taxi und Mietwagen auf eine Ebene zu stellen und mit den gleichen Rechten und Pflichten auszustatten. Letztlich müssten Gebühren (Trip Fees) eingeführt werden, die in den Ausbau des ÖPNV zurückfließen. Weiterhin sollte der Wettbewerb über die Anzahl der Moderatorin Valerie Lux (o. l.), Prof. Andreas Knie (u. l.) Fahrzeuge eingeschränkt werden. Dies führt zwar für die Verbraucher zu längeren Wartezeiten, senkt aber die Leerkilometer. Weiterhin plädiert er für E-Taxis sowie das Vermeiden von unnötigem Herumfahren. Hermann Waldner (o. r.) und Justyna Wladarz (u. r.) WEG VOM PRIVATWAGEN Im Anschluss an das ausgezeichnete Interview kam es anschließend zu einer virtuellen Podiumsdiskussion, bei der neben Justyna Wladarz vom Naturschutzbund (NABU) und Professor Andreas Knie (WZB) auch Hermann Waldner vom Bundesverband Taxi und Mietwagen e. V. (BVTM) am virtuellen Tisch saßen. Eine sehr deutliche Meinung vertrat dabei Professor Knie, für den die allgemeine Diskussion viel zu kleinteilig einhergeht. Für ihn ist jeder neue Mobilitätsdienstleister ein Schritt in die richtige Richtung. Natürlich würde eine Öffnung für neue Mobilitätsdienste eine völlige Neuorganisation der entsprechenden gesetzlichen Regulierung voraussetzen. Die Frage muss daher lauten: „Wie bekommt man die Menschen aus den privaten Autos raus?“ Hermann Waldner (BVTM) war der Ansicht, dass die Regulierung von taxiähnlichem Verkehr durch Mietwagen ein sehr wichtiger Punkt ist, denn der aktuelle Wildwuchs führt in der Konsequenz zu Problemen für die gesamte Gesellschaft. Sei es durch die zusätzliche Umweltbelastung durch kreisende Mietwagen oder das erhöhte Verkehrsaufkommen, was in der Konsequenz zu verstopften Straßen führt, bis hin zu den prekären Arbeitsverhältnissen, welche die Fahrer langfristig gesehen in das Netz des Sozialstaates treiben. Link zur Langversion 6 4. QUARTAL 2020 TAXI FOTOS: Adobe Stock / Looker Studio, Adobe Stock / sdecoret, Screenshot FOTOS: Schaller Consulting, Ales Rosenblat Bruce Schaller will den Verkehr reduzieren. Die bestehenden Regeln, wie beispielsweise die Rückkehrpflicht, sind weiterhin wichtig, reichen aber nicht mehr aus. Sollte in Zukunft eine sinnvolle Trennung der beiden Verkehrsarten aufrechterhalten werden, dann sind zusätzliche Instrumente nötig, welche den Behörden leicht nachvollziehbare Kontrollen ermöglichen müssen. Eine Option wäre die Einführung einer Vorbestellfrist für die Beförderung durch einen Mietwagen. Waldner betonte, dass einer Zusammenarbeit mit anderen Verkehrsdienstleistern nichts im Wege stehe und diese auch bereits seit Jahren so umgesetzt würde. Auch gäbe es beim deutschen Taxigewerbe keinen Technologierückstand. Bereits seit Jahren könne in Deutschland ein Taxi per App bestellt werden. Für Justyna Wladarz (NABU) liegt die Lösung für eine saubere Umwelt nicht allein in der Technologie. Die neuen Mobilitätsanbieter könnten zwar eine Rolle spielen, allerdings nicht in den Innenstädten. Während woanders bereits Ziele gesetzt sind, wann die Städte emissionsfrei werden, gäbe es in Deutschland noch Nachholbedarf. Die Gesetzgeber sollten zudem Know-how aufbauen und aus den Daten der Mobilitätsanbieter Erkenntnisse ziehen. sg Günstig online Krankenfahrten abrechnen DEAL! WENN DER BOSS EIN ALGORITHMUS IST Alex Rosenblat erforscht seit 2014 die sogenannte Gig-Economy, bei der häufig eine Online-Plattform als Mittler zwischen Kunde und Auftragnehmer die Rahmenbedingungen setzt und deren Betreiber eine Provision einbehält. So wie bei einem Uber-Fahrer, dem ein Smartphone Anweisungen und Rückmeldungen über Fahrstil, Bremsgewohnheiten, abgelehnte Aufträge oder Bewertungen gibt und das ihn sogar aus der Vermittlung ausschließen kann. Dieser Umweg über die Technologie ist in der Befürchtung begründet, dass Uber ansonsten als Arbeitgeber angesehen werden könne, denn dann hätten die Fahrer ungleich mehr Rechte. Im Anschluss an Rosenblats Vortrag kritisierte Mira Ball, Verkehrsexpertin der Gewerkschaft ver.di, dass Uber seine Sozialstandards nicht genau definiert. Man müsse damit rechnen, dass gesetzliche Vorgaben von den Plattformbetreibern nicht erkannt oder etwaige Verstöße und Sanktionen betriebswirtschaftlich Alex Rosenblat ist für ihre Studien unzählige Male mit Uber gefahren. bewusst einkalkuliert werden. Rechtsanwalt Herwig Kollar verwies im Hinblick auf die Besetztzeiten bei Uber in den USA auf eine Studie, wonach 41 Prozent der Einsatzzeit eines Uber-Fahrers ohne Fahrgast stattfinden. Entlohnt wird aber nur die Zeit mit Fahrgast. Johanna Reinhardt positionierte ihre umstrittene Sharing- Plattform CleverShuttle als anderes Konzept. Man agiere mit fest angestellten Fahrern. Kundenbewertungen seien für das Unternehmen sehr wichtig, würden aber nicht zu Disziplinarmaßnahmen führen. Link zur Langversion jh + ar * Im Flex Tarif bei Buchung des kostenlosen Servicepakets Bronze. Im Flex Tarif fällt eine monatliche Gebühr in Höhe von 19,99 Euro zzgl. MwSt. an. In der monatlichen Gebühr ist eine jährliche Bruttorechnungssumme von 24.000 Euro enthalten, die innerhalb der Laufzeit flexibel genutzt werden kann. Darüber hinaus beträgt der Abrechnungssatz für jeden weiteren Euro 0,5% der Bruttorechnungssumme zzgl. MwSt. Laufzeit 12 Monate. Weitere Informationen unter www.dmrz.de/preise

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