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Taxi Times DACH - Oktober 2018

TAXI INTERNATIONAL TAXI

TAXI INTERNATIONAL TAXI INTERNATIONAL 007 – IM DIENSTE DES EU-LOBBYISMUS Taxiunternehmer und Verbandsvertreter aus sieben Ländern haben sich in einer geschichtsträchtigen Villa in Rom getroffen, um einen Neuanfang für die Taxi-Lobby bei der EU zu planen. Südeuropa verbündet sich: Die TEA-Konferenz in Rom wurde von Dolmetschern ins Englische übersetzt. So konnten immerhin die Sprachbarrieren der sieben teilnehmenden Länder überwunden werden. Doch nach der Gründung von TEA stagnierte der Fortschritt. Wie bereits bei früheren Versuchen, einen paneuropäischen Taxiverband ins Leben zu rufen (zum Beispiel der Europäische Taxiverband in den 80er-Jahren – eine französisch-spanische Allianz), erwiesen sich Sprachbarrieren, der anfängliche Mangel an kompetenter Unterstützung und Geldmangel als größere Hindernisse für eine Erweiterung. Da diesmal zwei kleine Brüsseler Lobbygruppen mit ins Boot geholt wurden, scheint zumindest ein Stolperstein für TEA aus dem Weg geräumt zu sein. TEA SUCHT NEUE MITGLIEDER Was hat sich also in Rom getan? Das Arbeitsprogramm von TEA für 2018/2019 wurde genehmigt. Auf europäischer Ebene will TEA die Debatte über das Taxi als Teil der Daseinsvorsorge führen. TEA wird sich dem Vorschlag der EU-Kommission zu einer gerechten Besteuerung der Digitalwirtschaft anschließen und sich auf EU-Ebene in Brüssel als Interessenvertreter der Taxibranche in Europa empfehlen. Die Entwicklung einer europäischen Taxi-App scheint ebenfalls ein TEA-Ziel zu sein, ist jedoch angesichts der Anzahl an verfügbaren Apps vielleicht nicht sehr realistisch. Eine Hauptaufgabe ist die Gewinnung neuer Mitglieder in den 28 (bald 27) EU-Mitgliedstaaten. Der Verband bemüht sich insbesondere um Mitglieder aus Nordeuropa. Nach der Veranstaltung in Rom konnten bislang keine neuen Mitglieder begrüßt werden, obwohl die maltesische Delegation sich stark für einen Beitritt zu TEA interessierte. Österreichische und deutsche Vertreter zeigten vorsichtiges Interesse, schienen aber von dem ersten TEA-Treffen nicht überzeugt zu sein. Im Mittelpunkt der Konferenz in Rom, an der zahlreiche ausländische Vertreter, italienische Politikgrößen, Mitglieder des Europaparlaments und etwa 100 überwiegend lokale Taxiunternehmer teilnahmen, standen in erster Linie die Entwicklung „eines neuen politischen Dialogs“ und die Sicherung der Schlüsselrolle des Taxis und seiner Betreiber in der neuen innerstädtischen Mobilitätslandschaft. Trotz des Drängens hin zu gleichen Wettbewerbsbedingungen haben sich viele Länder für eine Deregulierung entschieden, was gleichzeitig eine Aufweichung der Taxiverordnungen (und des Schutzes) für Taxiunternehmer bedeutet. Spanien und Italien betonten die wichtige Rolle von Taxis als „öffentliche Dienstleistung“, die jederzeit verfügbar und für alle zugänglich ist, und priesen die Taxifahrer als „Profis der städtischen Mobilität“, die jedoch national und international nicht geschützt würden. Seit seiner Expansion nach Europa vor sechs Jahren bekommt Uber kräftig Gegenwind von Taxiunternehmen wegen des Umgehens von Lizenzierungs- und Sicherheitsvorschriften. Bei der Konferenz wurde von Beispielen für Widerstand aus London, Australien, Spanien, Belgien und Österreich berichtet. Der zweite Teil der Konferenz war dem nachhaltigen Taxibetrieb und E-Taxis gewidmet. Der 82-jährige Remo Mariani (Torino 59) wurde zum „Taxifahrer des Jahres“ gewählt, schlicht und einfach aufgrund der Länge seiner Berufstätigkeit (52 Jahre) und des positiven Eindrucks, den er bei einer Fahrt zum Flughafen auf Luciano Stella, den neuen Generalsekretär von TEA, hinterließ. „Wenn man seine Arbeit mag, verrichtet man sie mit Freude“, so Mariani bescheiden. „Wir arbeiten als Taxifahrer, weil andere Menschen uns brauchen, wenn sie Probleme haben.“ wf Remo Mariani (r.), TEA-Taxifahrer des Jahres, und TEA-Vizepräsident Loreno Bittarelli (l.): „Wir arbeiten als Taxifahrer, weil andere Menschen uns brauchen, wenn sie Probleme haben.“ Offiziell arbeiten derzeit sieben Taxi-Lobbygruppen offiziell in Brüssel – einschließlich Uber mit drei registrierten Lobbyisten und mit überraschend niedrigen jährlichen Ausgaben von rund 900.000 Euro. Es besteht jedoch kein Zweifel, dass der Laientaxi-Gigant aus den USA mit weiteren (informellen) Lobbyisten in Brüssel deutlich aktiver ist. Und während diese sogar im Hochsommer durch die Brüsseler Korridore der Macht bei der EU huschten, traf sich eine Gruppe in einer eleganten Villa am Rande Roms, die einmal Roger Moore gehörte, als der einen James-Bond-Film in der Stadt drehte. Heute ist die Villa der Sitz der Cooperativa Radiotaxi 3570, der mit 3.700 Taxis größten Taxizentrale Roms, und des italienischen nationalen Taxiverbands URI. Hier kamen nun also potenzielle Lobbyisten, Taxiunternehmer und Verbandsvertreter aus sieben Ländern zusammen: Portugal, Spanien, Italien, Malta, Belgien, Österreich und Deutschland. Das Zusammengehörigkeitsgefühl dieser Taxigemeinschaft, die fleißig bemüht war, eine neue internationale Taximacht zu bilden, war deutlich spürbar. Sie nennen sich Taxi Europe Alliance (TEA) und veranstalteten am späten Nachmittag des 16. Juli eine sehr interessante Konferenz: „Taxi zwischen Tradition und Innovation: Ideen für gute Ansätze zur innerstädtischen Mobilität.“ Rückblick: Bei einem Treffen mit Mitgliedern des Europäischen Parlaments (MdEPs) hatten Interessenvertreter der Taxibranche, hauptsächlich aus dem streitbaren Süden Europas, am 26. April letzten Jahres die Allianz ins Leben gerufen, „um die Rechte von Taxifahrern zu schützen und deren Position im Wettbewerb mit ‚sozialen Plattformen‘ wie dem US-Laientaxidienst Uber zu verbessern“. Als streitbar erwies sich auch der spanische Verband Elite Taxi aus Barcelona. Seine Klage gegen Uber landete vor dem Europäischen Gerichtshof, der Uber als Taxiunternehmen und nicht als IT-Plattform einstufte, ein Urteil, das manches Verfahren zugunsten der Taxibranche ausgehen ließ bzw. noch beeinflussen wird. UBER BETREIBT SOZIALDUMPING Gastgeber und TEA-Vizepräsident Loreno Bittarelli (Radiotaxi 3570) hatte Uber im April des „Sozialdumpings zu unseren Lasten“ bezichtigt, während der Präsident von TEA und vom spanischen Verband Fedetaxi Miguel Angel Leal Casado den Wettbewerb begrüßt, „weil er zu Verbesserungen anregt“. Fedetaxi aus Spanien, URI aus Italien und Antral aus Portugal waren die Gründungsverbände von TEA – in diesen drei Ländern repräsentieren sie weit über 100.000 Fahrer und Unternehmer. FOTOS: Wim Faber FOTO: Name Name IMMER ALLES IM BLICK Das Unternehmerportal Plus Einzelaufzeichnung aller Geschäftsvorfälle Schichtdokumentation Kassennachschau 20 OKTOBER/ 2018 TAXI TAXI OKTOBER/ 2018 21 www.seibtundstraub.de

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