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Taxi Times DACH - September Oktober 2019

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WETTBEWERB UBER-FAHRER

WETTBEWERB UBER-FAHRER – GEKÖDERT UND OHNE RECHTSMORAL Lesen Sie nachfolgend ein paar Geschichten über Uber, Rechtsverstöße und Personalverschiebungen. Und über einen Uber-Partner, dem die Sicherungen komplett durchgebrannt sind. AUSPROBIERT Manfred Schröder, dessen Firma Payco seit Jahrzehnten das Taxigewerbe mit Kreditkarten- und Kassensystemlösungen bedient, hat kurz nach dem Uber-Start in Hamburg mehrere Testfahrten gemacht und berichtet gegenüber Taxi Times über seine Erkenntnisse. Die Wartezeit habe bei der Fahrt 15 Minuten betragen, wobei der Mietwagen laut Anzeige tatsächlich vom Betriebssitz aus gestartet war. „Der aufgeregte Fahrer war als Student seit fünf Tagen bei Uber und folgte konsequent der Uber- Navigation. Er fuhr über Nebenstraßen mit 30er-Zonen. Nach meinem Trinkgeld von fünf Euro hat er dann über seinen Vertrag mit dem Mietwagenunternehmen gesprochen. Er bekommt 14,50 Euro pro Stunde und findet Uber und die Bezahlung ,gei...‘. Er war für seine Fahrt somit ca. 16 km und 30 Minuten unterwegs. Der Fahrpreis: 11,09 Euro inkl. Trinkgeld.“ Bei der Rückfahrt erwischte Schröder dann ebenjenen Unternehmer, der den Studenten beschäftigte und nicht weniger in Plauderlaune war wie sein Angestellter zuvor. Sein Unternehmen FairCar GmbH habe 14 Mietwagen und 26 Fahrer. Er sei seit fünf Jahren auf dem Markt, habe aber noch nichts vom Wegstreckenzählerzwang gehört, den Hamburgs Behörde eingeführt hat. „Er hat einen zeitlich begrenzten Vertrag mit Uber geschlossen und bekommt eine hohe Pauschale pro Fahrzeug – egal wie viele Fahrten er hat“, berichtet Schröder. Manfred Schröder BRATWURST MIT SENF UND KETCHUP Man muss der Stadt Düsseldorf zugutehalten, dass sie die Uber-Problematik verstanden hat. Das zeigte sich, als man eines Wochenendes gemeinsam mit der Polizei und dem Zoll 135 Fahrer sowohl von Taxis als auch von Mietwagen kontrollierte. Als absolutes No-Go muss allerdings bezeichnet werden, was hinterher passierte. Die Presseabteilung des Zolls berichtet von zahlreichen Verstößen, unter anderem von Strafanzeigen wegen Verkehrsverstößen, einer Blutprobe, Verdacht auf Schwarzarbeit und Leistungsbetrug und Verstoß gegen das Mindestlohngesetz. Selbst ein unzulässiges Tuning wurde beanstandet. Der große Makel an der Präsentation dieser Ergebnisse: Eine Zuordnung zu Taxi oder Mietwagen fand nicht statt. Eine diesbezügliche Anfrage der Taxi Times-Redaktion an das Hauptzollamt wurde damit beantwortet, dass eben „Personen“ kontrolliert würden und es statistisch unerheblich sei, ob die betreffende Person im Taxigewerbe oder als Mietwagenfahrer tätig sei, um festgestellte Verstöße im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen zu ahnden. Diese Antwort kann so nicht akzeptiert werden. Immerhin wurde hier die Öffentlichkeit über die Verfehlungen zweier unterschiedlicher Berufsgruppen informiert. Diese in einen Topf zu werfen, ist unverantwortlich. Eine Bratwurst isst man ja auch nicht gleichzeitig mit Senf und Ketchup. Das getunte Fahrzeug war übrigens ein Privatfahrer. Aber auch das wurde nur auf Nachfrage präzisiert. UBER + MOHNKE – UND BALD AUCH MÖNCH? Die enge Zusammenarbeit zwischen Uber und der SafeDriver ennoo GmbH ist kein Geheimnis. Wenn Uber in einer neuen Stadt antritt, gründet meist auch SafeDriver-Geschäftsführer Thomas Mohnke eine neue GmbH. Zum Start in Hamburg war das beispielsweise die SafeDriver ennoo HAM GmbH. Den anfänglichen Personalmangel überbrückte man mit Personal aus Berlin. In einer Taxi Times zugespielten internen Nachricht an die Berliner ennoo-Fahrer heißt es: „Unsere Kollegen in Hamburg benötigen zum Start Deine Unterstützung!“ Mohnke war bereit, Übernachtungspauschale und pauschale Vergütung der An- und Abreise zu übernehmen, wenn sich die Berliner für mindestens eine und maximal vier Wochen zur Verfügung gestellt hätten. Wie viele das Angebot angenommen haben, ist unserer Redaktion nicht bekannt. In jedem Falle dürfte es mit der Hamburger Ortskunde nicht weit her gewesen sein. „Berliner Unterstützung“ für Uber ist übrigens nicht nur ein Hamburger Phänomen. Auch in anderen Städten wird von Fahrern aus der Hauptstadt berichtet. Nur in Düsseldorf ist keiner mehr tätig, denn dort wurden ennoo bereits im April die Konzessionen entzogen. Ob Mohnke auch schon mit Mönch von Free Now gesprochen hat? FOTOS: Adobe Stock / eyetronic, Payco, Taxi Times 12 SEPTEMBER / OKTOBER / 2019 TAXI

WETTBEWERB ZU FEIGE FÜR DEN RICHTER? In den Uber-Städten übernehmen die Taxiunternehmer, unterstützt von den Zentralen, nach und nach die Aufgaben der Aufsichtsbehörden, indem sie die Verstöße der Uber- Partner dokumentieren und die ertappten Mietwagenunternehmer anschließend per einstweiliger Verfügung juristisch stoppen. Hier tut sich Köln ganz besonders hervor, seit Neuestem aber auch Düsseldorf. 15 Fälle seien dort derzeit anhängig und es kam auch schon zur ersten Verurteilung, berichtete die lokale Presse. Egal, ob Köln oder Düsseldorf, die Fälle gleichen sich. Mietwagenunternehmer bzw. deren Fahrer verstoßen gegen die Rückkehrpflicht, werden dabei beobachtet und überführt und auf Basis des vorliegenden Beweismaterials vor Gericht angeklagt. Kommt es dann zur Verhandlung, haben die Unternehmer nicht einmal den Mut, sich persönlich vor dem Richter zu erklären. Einer Verurteilung entgeht man damit nicht, im Gegenteil: Wegen Nicht-Erscheinens spricht das Gericht ein sogenanntes Versäumnis-Urteil und verurteilt den Angeklagten in Abwesenheit. So auch im nun ergangenen Urteil gegen einen Düsseldorfer Mietwagenunternehmer. Er Die Verfehlungen der Uber- Partner werden rechtssicher per Smartphone dokumentiert. wurde gerichtlich dazu aufgefordert, sich an die Gesetze (Rückkehrpflicht) zu halten. Sollte er abermals überführt werden, werden Geldstrafen (ersatzweise Haft) bis zu 250.000 Euro ausgesprochen. Das Positive: „Solche Urteile gelten bundesweit und lebenslänglich“, berichtet eine Unternehmerin gegenüber Taxi Times. Deshalb sei es sehr wichtig, dass sich die Taxibranche untereinander noch besser austauscht, damit die verurteilten Mietwagenunternehmer nicht einfach in einer anderen Stadt als Uber-Partner wieder auftauchen und dort ungestraft so weitermachen wie bisher. Infos gibt es bei der Taxizentrale Düsseldorf und beim Kölner Taxi Ruf. EX-KOLLEGE OHNE UNRECHTSBEWUSSTSEIN Apropos Köln: Der dort verurteilte frühere Taxiunternehmer und aktuelle Uber-Partner D. (vollständiger Name der Redaktion bekannt) zeigte keinerlei Einsicht, stattdessen gab er die Schuld an seiner Situation Oguzhan Ogul, einem Vorstandsmitglied der Kölner Taxizentrale. Ogul kämpft an vorderster Front gegen die Verfehlungen der Uber-Partner. Jener D. tauchte wenige Tage nach seiner Verurteilung plötzlich am Arbeitsplatz der Oguzhan Ogul (links), hier bei einem Treffen mit Taxi-Times-Redakteur Hayrettin Simsek, wenige Tage, bevor seine Frau bedroht wurde. Ehefrau von Ogul auf und bedrohte diese verbal. „Wenn er selbst untergehe, werde er dafür sorgen, dass auch ich und meine Familie untergehen, hat er sinngemäß gegenüber meiner Ehefrau gesagt“, berichtet der Kölner Vorstand gegenüber Taxi Times und zeigte sich völlig fassungslos. „Was hat meine Familie damit zu tun? Er weiß, wo ich arbeite, und kennt mein Büro. Warum bedroht er meine Frau?“ Die Oguls haben bei der Polizei Anzeige gegen D. erstattet. D. darf sich der Ehefrau in einem Radius von 150 Metern nicht mehr nähern. Die persönliche Bedrohung eines Familienmitglieds ist der traurige Höhepunkt einer ganzen Kette von Gewalt- Eskalationen zwischen Uber- und Taxifahrern. Engagierte Schlägertrupps, körperliche Auseinandersetzungen, verbale Beschimpfungen gehören fast schon zum Alltag. Das sind Zustände, wie man sie nur aus Diktaturstaaten kennt. In einem Rechtsstaat dürfen die keinen Platz haben. Und ebenjener Rechtsstaat steht nicht nur in der Verantwortung, gegenüber den Uber-Partnern durchzugreifen, sondern das Übel endlich auch an der Wurzel zu packen – indem man all jene Apps verbietet, deren Geschäftsprinzip auf Rechtsbruch ausgelegt ist. Wann endlich bringt das erste Gericht in Deutschland den Mut dazu auf? jh Der Ford Transit Custom FORD TRANSIT CUSTOM Trend 2,0 l TDCi 96 kW (130 PS), Automatikgetriebe INTAX-Ausstattung: Taxi Paket mit Folie, Taxi- Schild LED, Dachzeichen-Schalter, Folierung Türgriff & Spiegel, Folierung Stoßfänger Ford-Ausstattung: Klimaanlage vorne und hinten, 9-Sitzer, Kunstleder, Navigationssystem u.v.m. Bei uns für € 29.733,- zzgl. MwSt. Kraftstoffverbrauch (in l/100 km): Ford Transit Custom: 7,7 (innerorts); 6,1 ( außerorts), 6,7 (komb.); CO 2 -Emission: 174 g/km (komb.), CO 2 -Effizienzklasse: A. FordStore AUTO PIEROTH taxi@auto-pieroth.de Auto Pieroth GmbH & Co. KG Siemensstraße 4 55543 Bad Kreuznach Rufen Sie ihren Taxi-Spezialist Marco Sauer an 0671 834 15-21

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