Aufrufe
vor 3 Monaten

Taxi Times DACH - September Oktober 2019

  • Text
  • Innovation
  • Taxi
  • Oktober
  • Fahrer
  • Taxis
  • Mietwagen
  • Uber
  • September
  • Taxigewerbe

WETTBEWERB DAIMLER & CO.

WETTBEWERB DAIMLER & CO. HABEN SICH VERZOCKT Noch vor einem halben Jahr schien es, als ob Daimler, BMW und Volkswagen die neuen Herrscher über scheinbar bessere Mobilitätsformen werden würden. Doch die Vorzeichen haben sich drastisch gewandelt. EIN KOMMENTAR VON JÜRGEN HARTMANN Am 22. Februar knallten bei Daimler und BMW die Sektkorken. Man hatte soeben die Fusion der Mobilitätsdienstleistungen bekannt gegeben. Mit den fünf Joint Ventures Reach Now, Charge Now, Free Now, Park Now und Share Now wollte man einen „weltweit führenden Gamechanger schaffen“, wie es der damalige BMW-Vorstand Harald Krüger formulierte. Also jemanden, der das Spiel um die künftige Mobilität neu aufzieht – mit eigenen Regeln. Der Bereich „Free Now“ war hier als wichtige Säule eingeplant. Das Feld schien bestellt, die Spielwiese war präpariert und auch die Regeln waren kurz davor, an das Geschäftsmodell der neuen Mitspieler angepasst zu werden, denn Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer hatte knapp zwei Wochen zuvor in einem Eckpunktepapier zur Novelle des Personenbeförderungsgesetzes (PBefG) die Aufhebung der Rückkehrpflicht sowie den Wegfall des Verbots der Einzelplatzvermietung für Mietwagen in Aussicht gestellt. Der Einzige im originalen Mercedes Benz-Gehäuse! Spiegelwegstreckenzähler-03 Als Einziger ab Werk zulässig für die aktuelle MB E-, B- und S-Klasse! Einfach umflashen. Heute Taxi, morgen Mietwagen − HALE macht’s möglich. Bequeme Preisstufeneingabe − bis zu 20 Preisstufen programmierbar Arbeitszeiterfassung, Stehzeit- und Pausenaufzeichnung (aktiv/passiv), Privatfahrtmarkierung uvm. „Etwas fürs Auge“ − nur bei HALE: Spiegelglas dunkelt bei Blendung automatisch ab − stufenlos Display reguliert Helligkeit selbst ZUGELASSEN! www.hale.at/de/spw-03 Die Zukunft im Taxi. HALE INSIKA® HALE Operations oder kostenloses MB-Basispaket! Jetzt mehr erfahren: www.hale.at/datencenter HALE electronic GmbH | A-5020 Salzburg | Email: vertrieb-d@hale.at www.fiskaltaxameter.expert www.dachzeichen.de www.hale.de Alles schien zu passen – nicht nur für Daimler und BMW, sondern auch für Volkswagen und die Deutsche Bahn, denn deren Produkte Moia und CleverShuttle würden dann ihre Ride-Pooling- Dienste ganz offiziell als Mietwagenverkehre durchführen können. Mit vielen Rechten und kaum noch Pflichten. Inzwischen ist bei den Top-Managern der Automobilkonzerne Ernüchterung eingekehrt. Ole Harms musste als Moia-Chef gehen – und Daniela Gerd tom Markotten, die als neue Chefin des BMW/Daimler-Joint-Ventures agierte, hat gekündigt. Anfang Oktober nun hat der neue BMW-Vorstandsvorsitzende Oliver Zipse gegenüber dem „Handelsblatt“ den Ausstieg aus dem Joint Venture angedeutet, getrieben von der Einsicht, dass man im Bereich der „Personenbeförderung mit Fahrer“ keine positiven Ergebnisse erwirtschaften könne und man sich künftig doch lieber auf die Kernkompetenz als Autohersteller konzentrieren wolle. Was ist nur in den letzten sieben Monaten passiert, dass aus den selbst ernannten Gamechangern nun plötzlich solche Mindchanger geworden sind? Aus Sicht der Taxibranche kann man attestieren, dass sich die Automobilkonzerne ziemlich verzockt haben – allen voran Daimler und dessen Moovel-Sparte. Denn gerade die hatten mit mytaxi das beste Pferd im Stall in das Joint Venture eingebracht. Dann aber haben sie aus der Edelstute einen ziemlich lahmen Gaul gemacht, indem sie die mytaxi-App in die Free-Now-App umwandelten. Seitdem versuchen sie krampfhaft, dem bisherigen Taxikunden den Umstieg auf den günstigeren Mietwagen schmackhaft zu machen. Die Strategie war dabei auf mehrere Säulen verteilt: Erstens konnte man vom Start weg auf eine bestehende (mytaxi-)Kundschaft zurückgreifen. Zweitens war man sich sicher, dass die meisten bisherigen Taxipartner den Wandel zum Mietwagen mitgehen würden oder zumindest als Taxi-Partner die Mietwagenüberläufe abarbeiten würden. Und drittens wollte man die historisch gewachsene Nähe zum Bundesverkehrsministerium nutzen, damit von dort die zu erwartende Novelle des PBefG zugunsten von Daimler, Volkswagen und Deutsche Bahn ausgestaltet werden würde. Dass davon auch der US-Fahrtenvermittler Uber profitieren könnte, nahm man billigend in Kauf. Uber würde man mit entsprechenden Dumpingschlachten schon zurückdrängen, so das Kalkül. Heute muss man zur Kenntnis nehmen: Alle drei Säulen stehen kurz vor dem Zusammenbruch. Schon die Sache mit der PBefG-Novelle entwickelte sich politisch ganz anders als vorgestellt. BMW-Chef Oliver Zipse will vom Joint Venture mit Mercedes nichts mehr wissen. FOTOS: BMW, Free Now 14 SEPTEMBER / OKTOBER / 2019 TAXI

WETTBEWERB Alexander Mönch von Free Now mimte den Rattenfänger von Hameln. Man hatte sicherlich nicht damit gerechnet, dass ein regional zersplittertes und kleinteiliges Taxigewerbe einen dermaßen lauten und politisch erfolgreichen Protestfeldzug auf die Beine stellen würde. Der Taxiaktionstag am 10. April, bei dem über 10.000 Taxifahrer auf der Straße demonstrierten, war sicherlich der Höhepunkt zahlreicher Aktivitäten. Die „Scheuerwehr-Tour“ trug dazu bei, viele Landespolitiker von der Beibehaltung der Rückkehrpflicht zu überzeugen. UBER WAR EIN SCHLECHTER PRELLBOCK Dazu kam, dass Uber als geduldeter Profiteur der neuen Regelung seine eigentlich zugedachte Funktion als Ablenkungsmanöver und Prellbock nicht erfüllen konnte. Stattdessen wurden die Schwächen des Uber-Systems (Verkehrsverdichtung und permanenter Rechtsbruch) zur Steilvorlage für die Taxibranche. Dass man mittlerweile nur noch die FDP als Fürsprecher im Bundestag und in den Landesparlamenten hat, ist sicherlich auch das Ergebnis der unermüdlichen Aufklärungskampagne des Bundesverbands Taxi und passt nicht ins Kalkül von Daimler & Co. Selbst der CSU-Verkehrsminister Andras Scheuer, der bisher allen Taxiprotesten hartnäckig die Stirn geboten hat, hat sich inzwischen damit abgefunden, dass seine Eckpunkte keine Mehrheit finden, weshalb die von ihm gegründete Findungskommission die Abschaffung der Rückkehrpflicht in der Sitzung am 13. September zu den Akten gelegt hat und nun verzweifelt nach Kompromissen sucht – was dann wiederum den Daimler-Konzern in Person von Free-Now-Manager Alexander Mönch endgültig aus der Deckung getrieben hat. Mönch warnte in der Presse vor einer Verwässerung der geplanten PBefG-Reform: „Es wäre ein fatales Zeichen der deutschen Politik, die Reform kleinzuhalten und damit Innovationen zu verhindern.“ Als ähnlich desaströs erweist sich die zweite Säule der Daimler-Strategie. Man versuchte, den Taxiunternehmern als bisherige mytaxi-Partner einzureden, dass die Rückkehrpflicht sowieso fallen werde und dass deshalb die Verkehrsart Taxi keine Zukunft mehr haben würde. Gleichzeitig erzählte man das Märchen, dass man nach wie vor die „Taxi-DNA“ in sich trage. Diesen Widerspruch mochte kein mytaxi-Partner mehr glauben. Alexander Mönch von Free Now wollte mit solchen Aussagen den Rattenfänger von Hameln spielen. Gefolgt sind ihm nur wenige Taxipartner – was nun wiederum auch noch die dritte Strategiesäule zum Einstürzen bringt. Mit hohem Werbeaufwand hatte Free Now in Hamburg, Berlin, München und Köln seinen neuen Mietwagendienst publik gemacht. Doch wenn die Kunden auf den günstigen Mietwagen zurückgreifen wollen, stehen kaum Fahrzeuge zur Verfügung – und auch die Weitergabe der Fahrten an die Taxiflotte klappt nicht. Zu viele haben mittlerweile die Zusammenarbeit beendet. Bei all diesen Vorzeichen hat BMW-Chef Zipse schon seine Konsequenzen gezogen. Bleibt abzuwarten, wann Daimler-Vorstand Ola Källenius Ähnliches verkündet. Für den Kunden mag dies auf den ersten Blick bedauerlich sein, bekommt er kurzfristig doch keine individuelle Personenbeförderung zum Dumpingpreis. Mittel- und langfristig wird der Verbraucher jedoch froh sein, jederzeit für jede (noch so kurze) Fahrtstrecke, überall und zu einem bezahlbaren Preis befördert zu werden. Ganz im Sinne des Taxi-Slogans „Verlässlich ist modern“. Und Pooling-Fahrten sowie ergänzende On-Demand-Linienverkehre kann ebenfalls das Taxi anbieten. Somit sollten sich auch Volkswagen von Moia und die Deutsche Bahn von CleverShuttle lösen und sich ebenfalls auf ihr Kerngeschäft konzentrieren. jh IMMER ALLES IM BLICK Das Unternehmerportal Plus Einzelaufzeichnung aller Geschäftsvorfälle Schichtdokumentation Kassennachschau www.seibtundstraub.de

TaxiTimes D-A-CH

Taxi Times DACH - Doppelausgabe Juni / Juli 2019
Taxi Times DACH - Februar/März 2019