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Taxi Times DACH - September Oktober 2019

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NACHRUF ABSCHIED VON

NACHRUF ABSCHIED VON EINEM GROSSEN TAXIFREUND Am 4. September ist Leo Müllner verstorben. Rund 400 Trauergäste haben ihm am Friedhof die letzte Ehre erwiesen. Es war ein bewegender und würdiger Abschied. Für ein paar Sekunden wurde es laut auf dem Friedhof Stammersdorf Zentral. Die Fahrer von acht Wiener Taxis hupten und lösten ihre Alarmanlage aus. Dann war wieder Stille. Es war der letzte Abschiedsgruß der Kollegen für einen von ihnen, für eine Persönlichkeit, die zeit ihres Lebens „Taxi“ gelebt hat wie wohl niemand zuvor und wohl niemand hinterher. Es war ein letztes „Baba“ für Leo Müllner, der wenige Tage zuvor im Alter von 77 Jahren verstorben war. Er war bis zum Schluss bei „seiner“ Wiener Taxizentrale 40100 in Funktion. Noch im Februar dieses Jahres war Müllner aus der aktiven Geschäftsführung in den Aufsichtsrat gewechselt. Nun stand sein Sarg vor den Taxis und zwei Fahrer hatten die Ehre, Müllner auf seinem letzten Weg zur Familiengrabstätte zu eskortieren. Einer vorne – einer hinten. Und dahinter rund 400 Trauergäste aus dem Familien- und Freundeskreis sowie eine Vielzahl von Wegbegleitern aus der Taxifamilie. Darunter Ernst Paul, einer seiner besten Freunde und Beirat bei 40100. Darunter auch viele Wegbegleiter aus Deutschland: Michael Müller sowie Thomas Grätz vom Bundesverband sowie die Chefs und Vorstände einiger deutscher Taxizentralen (Hermann Waldner mit Jens Schmiljun, Christian Hess, Dieter Schlenker, Dirk Schütte mit Thomas Lohse etc.). Auch Hans Meißner, Müllners bayerisches Pendant KARRIERE IM TAXI Wien und Taxi – das war und ist immer auch mit dem Namen Leo Müllner verknüpft. Der Mann mit der markanten Stimme hat Taxi gelebt wie kaum einer vor ihm – und wahrscheinlich auch keiner mehr nach ihm. Begonnen hatte seine Leidenschaft für das Taxi im Jahr 1962, als er vom Mechaniker bei Olivetti und Fahrlehrer ins Taxi umstieg, weil er dort damals das Dreifache verdienen konnte. Schnell wurde er zum Sprachrohr der Kollegen. Doch in die Schimpftiraden gegen die damalige V.Ö.T.-Taxizentrale wollte er nicht einstimmen. Stattdessen wollte er es besser machen – was ihm auch schnell gelang, als er 1971 als Funkleiter und Verantwortlicher für die Werbung die Auftragszahlen der Zentrale verdreifachte und als Belohnung in den Vorstand aufrückte. Nach seiner Abwahl 1977 und einem kurzen Intermezzo als Funkleiter bei der heute immer noch existierenden Konkurrenzzentrale 31300 (von denen sowohl die Geschäftsleitung als auch einige Fahrer zur Trauerfeier erschienen waren) kehrte er abermals zur V.Ö.T. zurück – um an seinem ersten Arbeitstag als neuer Obmann die Pfändung des Finanzamtes auf seinem Schreibtisch zu finden. „Leo war immer ein Kämpfer“, beschreibt ihn Christian Holzhauser. Er rettete die V.Ö.T., die später zur Taxi 40100 wurde, erwarb diverse Immobilien für seine Zentrale und übernahm den ein oder anderen Wettbewerber – zuletzt die Wihup 60160 und ttc. Parallel führte Müllner etliche technische Neuerungen ein, beispielsweise eine Computerdurchwahl in den Siebzigerjahren oder den Datenfunk in den Neunzigern – zu einem Zeitpunkt, als Travis Kalanick das Wort „digital“ noch nicht einmal buchstabieren konnte. Seine Positionen seit 1980 waren vielfältig. Zu seiner Blütezeit war er Fachverbandsobmann des allgemeinen Verkehrs und Mitglied der österreichischen Spartenkonferenz. Die einzige Position, die ihm verwehrt blieb, war die eines Fachverbands obmanns für Personenverkehr. Die hätte er sich immer gewünscht. Für seine Tätigkeit wurde er mit dem Titel Kommerzialrat und der Großen Silbernen Medaille der Wirtschaftskammer Wien geehrt. Leo Müllner war gnadenlos gegenüber Wettbewerbern oder Quereinsteigern, aber immer sozial gegenüber seinen eigenen Leuten. Ersteres bekamen die Unternehmen Maxi Mietwagen im Jahr 1996 oder die Vermittlung 96000 im Jahr 2003 zu spüren, denen er rechtlich schnell die Grenzen aufzeigte. Auch die bemerkenswerten juristischen Erfolge gegen Uber, die zu Strafzahlungen von über einer Million Euro für das US-Unternehmen führten (und von denen immer noch kein einziger Cent bezahlt ist), waren von Müllner mit veranlasst. Die gerade im Kampf gegen Uber & Co. so wichtige Vernetzung der großen Taxizentralen untereinander hat Müllner massiv vorangetrieben. Dazu zählte auch die Beauftragung eines Lobbyisten, der in Brüssel gegen das Heer an Uber-Lobbyisten die Taxi-Argumente gut platzieren soll. 2017 hat Leo Müllner bei einem Zentralentreffen in seiner Heimatstadt alle Zentralen eindringlich ermahnt, sich an den Kosten für diese politische Arbeit solidarisch zu beteiligen. Es war einer der letzten öffentlichen Auftritte auf internationaler Ebene. jh FOTOS: Taxi Times 4 SEPTEMBER / OKTOBER / 2019 TAXI

NACHRUF Am 14. September haben sich rund 400 Gäste von einer Wiener Taxi-Ikone verabschiedet. Mit Hupen und tönender Alarmanlage schickten die Wiener Taxis ein letztes „Baba“ … … anschließend begleiteten zwei Taxis Leo Müllner zu seiner Ruhestätte. a. D., und Joachim Püttmann waren aus München bzw. Hamburg nach Wien gekommen. Selbstverständlich erwiesen auch zahlreiche einheimische Taxikollegen dem Urgestein des Wiener Taxigewerbes ihre letzte Ehre, viele von ihnen leicht zu erkennen an der Taxi-40100-Firmenbekleidung. Einer von ihnen fuhr mich anschließend zurück zum Bahnhof. „Müllner war einer, der immer allen zugehört hat, für ihn gab es keine Unterschiede, wer da nun vor ihm stand. Und er konnte immer überzeugen.“ Der Kollege ist eigentlich Nachtfahrer, aber diesmal hatte er seine Schicht schon um zwei Uhr beendet, damit er um 11 Uhr ausgeschlafen zur Trauerfeier kommen konnte. Mir fällt bei dieser Fahrt ein Dialog ein, den ich vor einigen Jahren mit Leo Müllner führte, als ich ihn nach den Auftragszahlen befragte: „Ich schäme mich, aber wir haben weniger Aufträge als letztes Jahr. Die Lenker büßen es gerade, dass die Leute weniger Taxi fahren.“ Die soziale Ader, die Leo Müllners berufliches Wirken prägte, tauchte an diesem Tag in den Rückblicken immer wieder auf. Der Pfarrer hatte gemeinsam mit Müllner als Ministrant in der Kirche gedient und die christliche Verantwortung hervorgehoben, die ihn schon damals geprägt habe. „Du bist nicht gestorben, du lebst in unseren Erinnerungen weiter.“ Darauf zielte auch der Trauerspruch von Rainer Maria Rilke auf der Todesanzeige ab: „Wenn ihr mich sucht, sucht mich in eurem Herzen. Habe ich dort eine Bleibe gefunden, lebe ich in euch weiter.“ Leo Müllner wird als derjenige in Erinnerung bleiben, der fast fünf Jahrzehnte lang ganz eng mit dem Wiener Taxigewerbe verbunden war. Seit 1962 als Taxilenker, seit 1971 in verantwortlicher Position der Taxizentrale 40100, die damals noch V.Ö.T. hieß. „Er war der Motor von 40100“, würdigte ihn Geschäftsführer Christian Holzhauser in seiner Rede bei der Trauerfeier. „Leo war einer, dessen Präsenz einzigartig war. Wenn ich die Firma betreten habe, konnte ich meistens schon seine raumfüllende Stimme oder sein Lachen hören oder konnte dem Duft seiner Zigarre folgen.“ IDEEN VON DER PRATERWIESE Ideen, um seine Funkzentrale technisch vorwärtszubringen, hatte er zuhauf; viele davon wurden in der Freizeit geboren, beispielsweise der Einfall einer Computerdurchwahl: „Ich bin mit meiner Familie im Prater auf einer Wiese gelegen“, hat er gerne erzählt. „Und wie ich so in die Luft schaue, kommt mir die Idee einer automatisierten Bestellung.“ Da mag man heute mit den Schultern zucken, aber das Stelldichein mit der Praterwiese hatte Müllner Anfang der Siebzigerjahre. Betriebsintern spannend waren auch die wenigen Urlaubstage des Leo Müllner. „Meistens kam er mit einem vollgeschriebenen Notizbuch und einer Menge neuer Projekte zurück“, erzählt Holzhauser. Allzu viel Freizeit und Urlaub gönnte sich Leo Müllner nicht. Er war teilweise sieben Tage in der Woche in der Zentrale. „Oft hat er um 4 Uhr morgens begonnen, um noch die Nachtschicht zu sehen. Die Firma war immer ein weiteres seiner Kinder.“ Am Grab selbst, nachdem der Sarg he runtergelassen worden war, verabschiedete sich einer seiner Söhne mit bewegenden Worten. Obwohl er mit langen Haaren und Reiselust nicht immer den Vorstellungen des Vaters entsprochen habe, habe der ihn immer unterstützt und ihm vertraut. „Dafür danke ich dir, Vater.“ Ein laut ausgesprochenes Dankeschön von seinem Sohn. Und Hunderte stille Worte des Danks von all den „Kindern seiner Taxifamilie“, die an seinem Grab ein letztes Stückchen Erde zu ihm hinunterwarfen. Als ich an der Reihe war, habe ich in Gedanken dabei noch mal gehupt und die Alarmanlage eingeschaltet. Ruhen Sie in Frieden, lieber Leo Müllner. Wir kämpfen weiter für das Taxigewerbe, das Ihnen immer so wichtig war. jh Taxizentrum Köln Paul Bauer Ing. GmbH & Co. KG Frankfurter Str. 130 51065 Köln-Mülheim IN KÜRZE LIEFERBAR Kai Rosselnbruch Tel 0221 69997-19 Mobil 0177 4863888 k.rosselnbruch@opelbauer.de OPEL ZAFIRA LIFE ALS TAXI MEHR RAUM, MEHR LUXUS, MEHR TAXI. NUR BEI OPEL BAUER.

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