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Taxi Times International - August 2015 - English

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ÖPNV ÖPNV Conny Bieze

ÖPNV ÖPNV Conny Bieze wünscht sich ein breites und differenziertes Angebot an Mobilitätsleistungen ganz nach holländischer Art und Weise. Carlo Ratti: „Wir müssen ein offenes Ohr für die Stadt haben.“ Nutzung des öffentlichen Raums wirklich verändern werden. Denken Sie nur einmal an autonome Fahrzeuge, die in der Nähe von Wohnbereichen keine Parkplätze mehr brauchen, sondern auf Abruf zur Verfügung stehen werden.“ Doch an welcher Stelle kommt hier das Taxi mit ins Spiel? „DER TAXAMETER IN DER HOSENTASCHE“ UITP-Präsident Hendy hatte diesen Punkt bereits während der Pressekonferenz zur Kongresseröffnung erwähnt: Die Schwerpunkte in den kommenden Jahren werden die Bereiche Verstädterung, Digitalisierung, Staus und Nachhaltigkeit sein. Hier will die UITP in einer führenden Rolle dafür sorgen, dass die Städte (und Gesellschaften) lebenswert und nachhaltig bleiben. „Aus diesem Grund“, so UITP-Generalsekretär Alain Flausch, „wurde das ‚PTx2‘ ins Leben gerufen – das Vorhaben der UITP 2009 zur Verdoppelung des Marktanteils des öffentlichen Verkehrswesens bis 2025.“ In einer Welt voller miteinander konkurrierender Apps und unterschiedlicher Mobilitätslösungen stammte die beste experimentelle Lösung für ganzheitliche und differenzierte Mobilitätslösungen von den Wiener Stadtwerken. In ihrer Abteilung Neue Urbane Mobilität hatte man die App Smile getestet, die mehrere Formen der Mobilität miteinander kombiniert: Bei Smile wurden nicht nur Informationen über Zahlungen für Dienstleistungen des öffentlichen Transportwesens miteinander kombiniert, sondern auch beispielsweise das Betanken von Elektroautos mit Strom, die Bestellung von Taxis sowie das Ordern von Fahrrädern. Ziel des Experiments: Auf welche Akzeptanz würde eine solche App bei der Wiener Bevölkerung stoßen? Doch das – so die Aussage von Ilse Stockinger von den Stadtwerken – stelle absolut kein Problem dar, wie sich Alain Flausch: „Taxis sind ein integraler Bestandteil des öffentlichen Transportwesens.“ Peter Hendy: „Trage ich etwa einen Taxameter in meiner Hosentasche mit mir herum?“ Schon die erste während der Pressekonferenz zum UITP-Kongress gestellte Frage war nicht ganz ohne: „Was hält die UITP von den Aktivitäten von Uber, und lässt sich hier von einer Form des Wettbewerbs für das öffentliche Verkehrswesen sprechen?“ Hendy, der für die TfL arbeitet, einer Regulierungsbehörde, die für einen Großteil der Verkehrsmittel in der britischen Hauptstadt – inklusive Taxis und private Miet fahrzeuge – zuständig ist, gab an, dass seine Behörde Uber nicht verbieten könne, da dieser Online-Vermittlungsdienst für Fahrdienstleistungen alle Voraussetzungen erfüllt habe. Sein Kommentar zur ganz gegensätzlichen Form des Londoner Taxigewerbes fiel in gewisser Weise recht flapsig aus, als er angab, er fände die Klage des Londoner Taxigewerbes gegen Uber ein wenig weit hergeholt: Seiner Ansicht nach sei die Verwendung von Smartphone-Apps zur Tarifberechnung in privaten Mietfahrzeugen dasselbe wie die Ausstattung dieser Fahrzeuge mit Taxametern. Zudem seien diese in privaten Mietfahrzeugen gar nicht erlaubt. „Bedeutet das also, dass jeder mit einem Smartphone einen Taxameter in seiner Hosentasche mit sich herumträgt?“, scherzte Hendy. Eine Sache war klar: Für Hendy ist das lokale Taxi gewerbe nicht das Modernste im Verkehrssektor. „Das Taxigewerbe wird sich anpassen müssen, was einen schmerzhaften Prozess darstellen wird.“ Auch private Mietfahrzeuge (die sogenannten Minicabs) werden ihre Vorgehensweise ändern müssen: In London gibt es UITP-PREIS FÜR DAS „SMILE“-KONZEPT DER WIENER STADTWERKE an 1 000 Testnutzern gezeigt habe. Für die Jury Grund genug, den Mobilitätsassistenten mit dem UITP-Preis für Kundenzufriedenheit auszuzeichnen. Einen Monat zuvor läuteten ebendiese Stadtwerke Alle Formen der Mobilität und mehr in nur einer einzigen App? Das ist durchaus machbar, so Ilse Stockinger. schon das weltweit größte Vorhaben für E-Taxis ein. Ziel soll ein Großversuch mit 250 E-Taxis in Wien im Jahr 2016 sein, bei dem man eng mit dem lokalen Taxigewerbe zusammenarbeiten werde. FOTOS: Wim Faber FOTO: Smile viel zu viele Minicabs, die die Straßen und Parkflächen verstopfen und einfach zu viele Abgase in die Luft pusten. Als positiv für das Taxigewerbe sei zu verbuchen: Die Rikschas, die unnötigerweise die Straßen und Taxistände blockieren, werden den Aussagen Hendys zufolge von Londons Bürgermeister Boris Johnson vermutlich aus der Stadt verbannt. Die Frage, wie die Intelligente Stadt von morgen aussehen sollte, wurde im Rahmen eines spannenden Seminars mit Teilnehmern aus zwischenstaatlichen Organisationen aus den Bereichen Klima und Wirtschaft sowie führenden Sprechern aus Wien und Mexiko-Stadt diskutiert. Nach Meinung aller Beteiligten könne das öffentliche Transportwesen viele weitere Ziele möglich machen, wie beispielsweise eine Erhöhung der Preise für Bauplätze aufgrund des Baus neuer U-Bahn-Linien oder Anstrengungen dahingehend, die Stadt kompakter zu gestalten und sie bei ihrem Kampf gegen Staus zu unterstützen. Allerdings sind die entsprechenden Technologien, die diesen Prozess überhaupt erst möglich machen dürften, in einer ganzen Reihe von Städten (noch) gar nicht im Einsatz, während sich andere diese Tools schon begeistert zu Eigen gemacht haben. Als Schlüsselinstrument dafür gelten Daten. Auch in diesem Fall. In Mexiko-Stadt bot Uber an, die im Rahmen der durch die »Das Taxigewerbe wird sich anpassen müssen, was einen schmerzhaften Prozess darstellen wird.« Peter Hendy Stadt absolvierten Fahrten generierten Daten gemeinsam zu nutzen, damit die Stadt diese dann im Rahmen ihrer Planungen würde nutzen können. Ein seltsamer Vorstoß, zumal die gemeinsame Nutzung dieser Daten das Letzte ist, was dieses Technikunternehmen wirklich möchte. UBERPOP FÜR LÄNDLICHE REGIONEN? Die vor wenigen Jahren gegründete Taxi-Plattform der UITP hielt eine separate Tagung ab, deren Schwerpunkt eindeutig auf Asien und Nahost lag. Interessant am Rande waren der konsequente Top-down-Ansatz der Regulierungs behörde Dubais (diverse unterschiedliche Taxiflotten, die allesamt einem Ministerium unterstehen) sowie die starke Rolle, die das Taxigewerbe als Teil des öffentlichen Verkehrswesens spielt – insbesondere in den Golfstaaten. In dem Bemühen, das Taxisystem zu verbessern und seine Nutzung für Frauen sicherer zu machen, ließ sich mit der App GrabTaxi einmal ein anderer Blick auf den App-Prozess werfen. GrabTaxi ist eine App, die vor allem in Südost asien auf den dortigen fragmentierten Taximärkten zum Einsatz kommt und bei Taxinutzern große Beliebtheit genießt. Sie wurde von Harvard- Absolventen auf Grundlage eines gemeinnützigen Konzepts auf den Markt gebracht und erobert nun ein Land nach dem anderen. Zahlreiche Regierungen haben sich über ihre (neue) Rolle bei der Lenkung bzw. Veränderung des traditionellen öffentlichen Verkehrswesens keine Gedanken gemacht. Das ist eine Welt, die sich vom Taxigewerbe gar nicht so sehr unterscheidet, konservativ gestaltet ist und in der es Unternehmen mit traditionellen Ansichten und Vorgehens weisen gibt. Es ist aber auch eine Welt, die sich unaufhörlich mit Budget kürzungen konfrontiert sieht. Einer der wenigen Stände mit differenzierter Mobilität. Die Rede von Conny Bieze, die in einer großen, überwiegend ländlichen Provinz in den Niederlanden für das öffentliche Verkehrswesen zuständig ist, sorgte für einigen Wirbel. Ihrer Meinung nach gehöre der Bus als Rückgrat des ländlichen öffentlichen Verkehrssystems „der Vergangenheit an“. Stattdessen hielt sie ein Plädoyer für den Betrieb einer größtmöglichen Vielfalt an öffentlichen Verkehrsmitteln. Das Transportwesen sollte sich aus traditionellen und neuen Beförderungsmitteln zusammensetzen. Diese stützten sich allesamt auf die Bedürfnisse des jeweiligen Nutzers und reichten vom (bezuschussten) Elektrofahrrad für Schulkinder, mit dem diese ihren täglichen Schulweg meistern könnten, über Autos und von Freiwilligen gelenkte Minibusse bis hin zu Zügen und einer breiten Palette an (Mini-)Bussen. Und warum sollte man für diese ländlichen Regionen nicht auf Uber- POP oder etwas Ähnliches zurückgreifen? Eine seltsame Aussage, nachdem UberPOP in den Niederlanden verboten worden war. Diese Vielfalt bei der neuen Mobilität sollte sich so nah wie möglich an den einzelnen Nutzer anlehnen. Vorzugsweise auf Ebene der lokalen Regierung, so Bieze. Nicht wenige Zuhörer bekamen den Eindruck, dass Bieze ihre Bürger ihren eigenen Gerätschaften überlassen möchte, auch wenn sie im Grunde beabsichtigt, die Mobilität anders zu steuern und zu finanzieren, und nicht, weniger Mobilität anzubieten. Ein erfrischender neuer Ansatz. wf 18 TAXI AUGUST / 2015 19

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