Aufrufe
vor 4 Jahren

Taxi Times International - Juni 2015 - Deutsch

  • Text
  • Taxis
  • Uber
  • Branche
  • Taxibranche
  • Unternehmen
  • Fahrer
  • Mytaxi
  • Deutschland
  • Ulmer
  • Taxigewerbe

TAXI-TARIF TAXI-TARIF

TAXI-TARIF TAXI-TARIF Auf schwedischen Taxis müssen Preisaufkleber angebracht sein, auf denen steht, wie viel eine Standardfahrt von 10 Kilometern und 15 Minuten an den jeweiligen Tageszeiten und Wochentagen kostet (gelb). Buchungsmethode (die meisten Unternehmen haben Buchungs­ Apps zum festen Preis), Straßennetz, Entfernung, geografischen Faktoren, der Zeit und dem Tag (Spitzenverkehrszeiten). Außerdem macht der Aufkleber Preise transparent und vergleichbar. Es ist, als würde man den Kilopreis von Kartoffeln im Supermarkt vergleichen. In gewisser Weise kann man sagen, dass die Richtpreisgestaltung den Preiswettbewerb gebremst hat. In ihrer Gesamtheit zieht die Branche Transparenz gegenüber Wildwestmethoden und schlechter Publicity vor.“ FLEXIBLE FAHRPREISE, BEGRENZTER WETTBEWERB Flexible Preise sind möglicherweise die Zukunft der Taxibranche. Zu diesem Thema lässt sich sowohl Gutes als auch Schlechtes von Schweden lernen. Seitdem Schweden 1990 seinen Taximarkt liberalisiert hat, gilt in dem Land die freie Preisgestaltung für Taxifahrten. Fortan war Schweden bekannt für gänzlich ungeregelte Fahrtkosten, die es so manchen skrupellosen Geschäftemachern ermöglichten, unverschämte Preise zu verlangen. Reisezeitschriften und Reiseführer warnten Touristen, und sogar die BBC widmete sich Schwedens Taxiproblem. LIBERALISIERUNG INS GEGENTEIL VERKEHRT Nach der Liberalisierung von 1990 tauchten in der schwedischen Taxibranche einige zweifelhafte Anbieter auf, die die Preise in die Höhe schnellen ließen. Diese Entwicklung lief der ursprünglichen Absicht entgegen, dass sich Taxiunternehmen frei etablieren und die Preise niedrig halten sollten. Seither waren die Behörden damit beschäftigt, wieder eine gewisse Marktkontrolle durchzusetzen. Das Ergebnis waren Preisaufkleber, die seit 2011 verpflichtend sind. Der entsprechenden Vorschrift zufolge muss an jedem Taxi ein gut sichtbarer Preisaufkleber angebracht sein, auf dem die unterschiedlichen Preisstufen und Höchstpreise vermerkt sind. Um Kunden den Preisvergleich zu erleichtern, muss jedes Taxi angeben, wie viel eine Standardfahrt von 10 Kilometern und 15 Minuten kostet. Der Aufkleber wird von der Polizei geprüft. Fehlt er, so droht der Entzug der Taxilizenz. Laut Anders Berge, Rechtsanwalt beim Schwedischen Taxiverband (STF), in dem 70 Prozent der Taxiunternehmen des Landes vertreten sind, verlangen die größten Unternehmen etwa 300 bis 325 Kronen (30 bis 35 Euro) als Richtpreis. Auch er ist der Meinung, dass viele Taxifahrer zu hohe Fahrtkosten veranschlagen: „Natürlich fühlen sich viele Leute betrogen, wenn sie im Nachhinein feststellen, dass sie die gleiche Fahrt für 50 Euro statt der 300 Euro hätten haben können. Gleichzeitig muss man betonen, dass sie keinem Betrug zum Opfer gefallen sind, schließlich gilt die freie Preisgestaltung. So funktioniert es hier. Gut ist es deswegen aber noch lange nicht.“ Laut schwedischem Statistikamt stieg die Anzahl der Taxis in der Folge der Liberalisierung des Taximarktes durch die Regulierungsreform von 1990 um 22 Prozent an. Im selben Zeitraum stiegen die Taxifahrtkosten stärker als der Verbraucherpreisindex. Gleichwohl haben sich die Taxiangebote an sich verändert, was sich hauptsächlich durch eine leichtere Verfügbarkeit und verkürzte Wartezeiten bemerkbar macht. RICHTPREISE SIND WIE KILOPREISE VON KARTOFFELN Lars­Ingvar Johansson, ein Beobachter der Taxibranche, erläutert, was flexible Fahrtkosten im schwedischen Kontext bedeuten: „In Schweden sind zwei Kräfte am Werk: ein liberales Geschäftsklima, daher die Liberalisierung, und Verbraucherschutz, daher die Richtpreise. Es mag zwar eine freie Preisgestaltung geben, dennoch müssen die Preise transparent sein und sich innerhalb gewisser Grenzen bewegen. Das macht sie in Wirklichkeit eher variabel als flexibel. Die meisten großen Unternehmen bieten einigermaßen vergleichbare Preisstrukturen und einige Festpreise an. Nur lange Fahrten und Fahrten von und zum Stockholmer Flughafen sind echten Wettbewerbsinitiativen ausgesetzt.“ Aus Marketingperspektive könnte man annehmen, Taxiunternehmen würden die Flexibilität ausnutzen, um ihre eigenen Preise durchzusetzen und die Preise zu manipulieren. Laut Johansson trifft dies jedoch nicht zu: „Taxiunternehmen nutzen den Spielraum innerhalb eines Systems gebundener Preise, je nach FOTO: Thomas Brinch PREISTRANSPARENZ In einer Gesellschaft, die hohe Preise gewohnt ist, dreht sich die Taxipreisdebatte vielmehr um Fairness als um Flexibilität: „Flexible Taxipreise sind für die Taxibranche genauso wichtig wie für jeden anderen liberalen Geschäftszweig, der von guten Preisen abhängig ist. Dabei spielen in Schweden Wettbewerbsneutralität, Qualität, Sicherheit und Verfügbarkeit eine ebenso große Rolle. Zudem hat die Markenbildung einen höheren Stellenwert als die Preisgestaltung. Schwedische Taxiunternehmen sind darauf bedacht, das Image ihrer Marken mit Qualität, Sicherheit und Umweltbewusstsein zu verknüpfen. Die fehlende Regulierung innerhalb der Taxibranche hat dazu geführt, dass viele Kunden bereit sind, einen Aufschlag auf einen Festpreis zu zahlen, den sie bereits im Vorhinein kennen“, so Johansson. Noch vor Kurzem meldete die Polizei Aufkleber, die unglaubliche Preise von bis zu 40 000 Kronen (4 000 Euro) für eine 30­minütige Fahrt vom Stockholmer Flughafen in die Innenstadt angaben. Jedoch ist man dem Problem neulich durch eine ordnungspolitische Ergänzung des Gesetzes beigekommen, das die Preisaufkleber regelt. Seither sind die Wucherpreise aus den meisten größeren Städten Schwedens verschwunden. Das neue Gesetz, das Anfang des Jahres eingeführt wurde, sieht vor, dass Kunden im Vorfeld zwingend einen gebundenen Preis erhalten, falls das Taxiunternehmen einen Richtpreis von über 500 Kronen (537 Euro) anbietet. „Daraufhin sind fast alle Wucherunternehmen auf einen Richtpreis von 499 Kronen heruntergegangen. Allgemein nehmen die Leute die Entwicklung so wahr, dass es keine Wucherpreise mehr gibt“, sagt Per Juth, Leiter des Schwedischen Taxiverbands STF. Magnus Klintback, Geschäftsführer von TaxiKurir Stockholm, erklärt weiterhin: „Das Problem der Wucherpreise ist erheblich In Stockholm beginnt der Preis für Taxifahrten bei 40 Kronen (4 Euro), auf die der Taxameter je nach Uhrzeit etwa 11 Kronen (1 Euro) pro Kilometer aufrechnet. In Schweden gibt es keine Preisbindung für Taxifahrten. Jeder Anbieter legt seinen eigenen Preis fest. Die sechs oder sieben größten Taxiunternehmer wenden untereinander ähnliche Preisstrategien an. Es gibt kleinere Unternehmen, die tendenziell um einiges teurer sind, manchmal um bis zu 100 bis 300 Prozent. zurückgegangen. Es ist eine sehr positive Entwicklung, dass die Gesetzesergänzung diese Wirkung zeigt. Die Wucherpreise gewisser zweifelhafter Anbieter haben Stockholm einen schlechten Ruf eingehandelt.“ Berge: „Wir haben veranlasst, dass alle Taxifahrer den Zählerstand ihrer Fahrpreisanzeiger an zentrale Abrechnungsstellen übermitteln, zu denen die Steuerbehörden Zugang haben. Das wird ab dem nächsten Jahr (2016) so gehandhabt.“ Laut Berge befürwortete eine Vielzahl der Behörden den Vorschlag einer zentralisierten Steuerkontrolle. „Als nationaler Verband der Taxiunternehmer setzen wir uns für einen fairen Wettbewerb ein. Die Branche muss von skrupellosen Praktiken in der Preisbildung freigehalten werden. Die Umsetzung dieser Verbesserungen bringt nicht nur den Kunden Vorteile, sondern auch der Taxibranche, dem Tourismus und der Gesellschaft im Allgemeinen. Führt man sie nicht durch, so profitieren nur die Unternehmer, die der Branche schaden.“ thb 10

TaxiTimes D-A-CH