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Taxi Times International - Juni 2015 - Deutsch

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TAXI-KONFERENZ

TAXI-KONFERENZ „Bleiben Sie stark. Qualität setzt sich stets durch.“ ZUSAMMENARBEIT IN HARTEN ZEITEN Bei der internationalen Taxi-Konferenz in Amsterdam, der TAXIintell Update 2015, ging es ebenso sehr um Zusammenarbeit wie auch um den Wettbewerb. Jedes Jahr trifft sich eine kleine Gruppe von Taxifachleuten aus der ganzen Welt (dieses Mal waren es 85 aus 12 Ländern) und aus sämtlichen Bereichen der Taxi- und Mietwagenbranche, Lieferanten, Aufsichtsbehörden, Berater und andere in Amsterdam, um heiße Themen aus der Taxi- und Mietwagenbranche zu diskutieren. Mit der „Neuen Mobilität“ als zentralem Thema haben es sich die Organisatoren nicht gerade leicht gemacht. Insbesondere, weil sie drei separate Diskussions-Foren für die Anbieter der geteilten Mobilität organisiert haben: eine davon über Apps oder/und deren »Uber hat uns unsere Marketingarbeit abgenommen. Nun weiß jeder über die Taxibranche Bescheid.« Jeremy Butler Transportation Network Companies (TNC), eine über die Taxi- und Mietwagenbranche und eine über Aufsichtsbehörden. „Eines unserer Ziele lautet, die gesamte Branche zusammenzubringen, sämtliche Interessengruppen, und wir hofften, dass die Anbieter von Tarek Mallah zeigte auf, dass Uber den Markt in New York bereits übernommen hat. Apps einen offenen Informationsaustausch mit den anderen beiden Gruppen, insbesondere den Aufsichtsbehörden, begrüßen würden“, sagte Wim Faber von Challans & Faber. „Aber es stellte sich heraus, dass die Regulatoren extrem zurückhaltend sind, wenn sie öffentlich über ihre Verfahrensweisen und ihre Ansichten über Neue Mobilität sprechen sollen, obwohl sie doch eigentlich gute Fallbeispiele aufweisen. Die Aufsichtsbehörden der nicht gerade wenigen europäischen Großstädte, die wir eingeladen hatten, waren mit ihren eigenen Beurteilungen der rechtlichen Lage im Zusammenhang mit TNCs beschäftigt oder in Rechtsstreitigkeiten verwickelt, daher waren sie nicht gerade eifrig darauf bedacht, ihre Ergebnisse zu präsentieren.“ Dieser Ausfall wurde jedoch durch die hochkarätigen Redner, die den Weg in die niederländische Hauptstadt gefunden hatten, mehr als wettgemacht. Sie boten einige faszinierende Einblicke in die Branche und die aufsichtsrechtliche Landschaft. „GERETTET DURCH DEN TAXIFAHRER“ Als Beweis für die (deutlich verbesserte) Qualität der Amsterdamer Taxis begann der Hauptredner und unabhängige Berater Jeremy Butler seine Präsentation mit der Anmerkung, dass er sich am Vorabend total verlaufen hatte und von einem Amsterdamer Taxifahrer gerettet wurde, als er von jemandem angesprochen wurde, der versuchte, ihm alles Mögliche zu verkaufen … Der Taxifahrer behielt Butler im Auge und öffnete seine Tür genau rechtzeitig, um einen dankbaren Fahrgast aufzunehmen. FOTOS: Martin Waalboer In seiner Grundsatzrede schöpfte Butler aus seiner 15-jährigen Erfahrung in den Bereichen Taxi und Mietwagen, die mittlerweile ganz anders wahrgenommen werden. Während sich früher niemand für seine Arbeit sonderlich interessierte, rückt er heute in den Mittelpunkt einer jeden Party: „Was passiert gerade mit Uber?“, erzählt Butler. „Die Dinge haben sich rasend schnell verändert. Die Branche wird mit viel Leidenschaft betrieben. Es ist eine sehr emotionale Branche.“ Butler beschrieb zunächst am Londoner Beispiel, wie die schwarzen Taxis die Branche ca. 200 Jahre lang dominierten, und umriss dann, wie die Mietwagen vor etwa zehn Jahren die bestimmende Kraft in der Branche wurden (25 000 Fahrzeuge im Vergleich zu 65 000) und wie die örtliche Aufsichtsbehörde schließlich für ausgeglichene Verhältnisse innerhalb des Wettbewerbsumfelds sorgen musste. „Und jetzt kommen erneute Veränderungen“, landete Butler schließlich in der Gegenwart. „Der e-Ruf ist im Kommen. Uber fordert die Taxi- und Mietwagenbranche heraus. Und es ist nicht schwer, sich von Ubers Marketingsprache davon überzeugen zu lassen, dass sie nicht zu stoppen sind. Aber ist ihr Geschäftsmodell auch nachhaltig? Ist es ein Firmenprodukt? Uber hat kein Produkt für den Firmenmarkt. Zumindest nicht im Vereinigten Königreich. Aber es ist immer Platz für ein billiges Produkt mit geringer Qualität.“ QUALITÄT SETZT SICH STETS DURCH Beim Wechsel von einem Clip seiner Präsentation („Rennen an die Spitze“) zum nächsten („Rennen ins Tal“) erinnerte Butler seine Zuhörer daran, dass Monopole nicht funktionieren und Kunden eine Auswahl verlangen. „Uber hat Unmengen an Geld ausgegeben und sie haben uns unsere Marketingarbeit abgenommen. Nun weiß jeder über die Taxibranche Bescheid. Es liegt an uns, das zu nutzen. Nach Jahren, in denen wir zu wenig investiert haben, haben wir jetzt aufgeholt. Service ist der Schlüssel. Aber wir müssen auch Veränderungen akzeptieren. Unsere Branche ist nicht vor Veränderungen gefeit, nur weil es eine sehr alte Branche ist. Wir müssen mit den Veränderungen Schritt halten. Jetzt geht es um Konsolidierung, um Zusammenschlüsse.“ Butler ist zuversichtlich, dass diese Botschaft beim Taxiunternehmer mittlerweile angekommen ist. „Letzte Woche in London gab ich ein Frühstück für ungefähr 30 Anbieter in der Taxi- und Mietwagenbranche. Vorher hätten sie sich mit großem Vergnügen gegenseitig ein Messer in den Rücken gestoßen, aber jetzt haben sie verstanden, dass sie zusammenarbeiten müssen.“ Mit Blick auf die Verbraucher erwähnt Butler die Sharing Economy, die Ökonomie des Teilens. Allerdings ohne große Hoff­ AMSTERDAMS NEUER ANSATZ Noortje Smit, Leiterin des Taxi Teams Amsterdam, übermittelte ein herzliches Willkommen der Stadt, die eine Zeit lang den Begriff „Taxikriege“ geprägt hatte. Um die Amsterdamer Taxis und Fahrer „sicher, zuverlässig und ehrlich“ zu machen, wurden vor einiger Zeit zwölf einzelne TTOs (autonome Taxiorganisationen nach dem Beispiel von Neuseeland) gebildet, die um die Aufmerksamkeit der Amsterdamer Taxikunden konkurrieren. Jeder Amsterdamer TTO hat mindestens 100 Fahrer und 50 Taxis und jede Organisation ist selbst für ihre Verwaltung, ihren Betrieb und die Disziplin ihrer Fahrer verantwortlich. Diese sollten weniger anonym, dafür aber verantwortungsbewusster werden. Allerdings ist der Wettbewerb unter den TTOs immer noch recht schwach, solange Taxis traditionell auf der Straße angehalten werden oder an Taxiständen stehen. Die Taxinutzer nehmen eine allmähliche Qua litätssteigerung wahr und der neue Ansatz hat auch zur Verbesserung der Beziehungen zwischen der Stadt und ihren Taxifahrern beigetragen. wf Noortje Smit: „Durch TTOs werden sämtliche Taxis und Fahrer in Amsterdam sicher, zuverlässig und ehrlich.“ 26

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