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Taxi Times International - Juni 2015 - Deutsch

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TAXI DER ZUKUNFT TAXI

TAXI DER ZUKUNFT TAXI DER ZUKUNFT NIEDERLÄNDER TESTET DAS ERSTE WASSERSTOFF-TAXI Mit Kris Mohan hat Rotterdams Taxizentrale RTC einen besonderen Testfahrer für umweltfreundliche Taxis. Im Moment ist er der erste kommerzielle Nutzer eines Wasserstoff-Taxis. Kris Mohan hat nichts mit dem Stig von „Top Gear“ zu tun. Kein strahlend weißer, feuerbeständiger Overall mit Rennsporthelm, sondern ein vornehmer schwarzer Anzug mit einem kleinen, aber sehr speziellen grünen Logo auf der Brusttasche: ein Taxi mit einem Elektrostecker. Dennoch ist Mohan ein echter Testfahrer. Als wir vor zwei Monaten miteinander sprachen, wartete sein neuestes, ganz besonderes Taximodell bereits auf ihn: der Hyundai ix35 FCEV. Ein Taxi mit Brennstoffzellenantrieb. DER GRÜNE TESTPILOT VON RTC Am 8. April hat Hyundai seine ersten sieben Wasserstoffautos in den Niederlanden auf den Markt gebracht, unmittelbar nach der Eröffnung der ersten Wasserstofftankstelle von Air Liquide in der Nähe von Rotterdam. Eines dieser sieben Modelle ging an die Rotterdamse Taxi Centrale (RTC), mit 500 Taxis die zweitgrößte Taxizentrale des Landes. Hyundai bietet in den Niederlanden seinen ersten kommerziellen FCEV für 55 000 Euro (ohne MwSt.) zum Verkauf an und ist auf der Suche nach lokalen Regierungen in ganz Europa, die daran interessiert sind, die Einführung dieser Autos aktiv zu unterstützen. „Wir sind das erste Unternehmen in Europa, das dieses Auto nutzt. Ich habe es bereits gefahren und es ist wirklich etwas Besonderes, sehr grün“, sagt Mohan und lächelt. Dieser grüne Aspekt ist nichts Neues für RTC, bei denen der Geschäftsführer einen Tesla S fährt und Auftragsarbeiten mit 100 erdgasangetriebenen »Es fährt sich wirklich gut, beschleunigt richtig und zeigt ein gutes Verhalten auf der Straße.« In weniger als zwei Minuten ist das mit Brennstoffzellen angetriebene Taxi vollständig aufgetankt. Minibussen durchgeführt werden. Als wir gesprochen haben, fuhr Mohan noch das Elektroauto BYD E6, welches er während seiner Pause – und unseres Interviews – vor dem Hauptsitz des Unternehmens auflud. Doch jetzt, sechs Wochen nachdem er das Taxi mit Brennstoffzellenantrieb erhalten hat, ist Mohan begeistert: „Es fährt sich wirklich gut, beschleunigt richtig und zeigt ein gutes Verhalten auf der Straße. Im Kris Mohan („Stig“) von RTC freut sich, ein grüner Pionier zu sein. Innenraum ist es besonders ruhig und die Verarbeitung und die Qualität sind etwas besser als die des BYD. Es bietet eine luxuriösere Atmosphäre – das ist gut für unsere Business-Class-Kunden. Aus diesem Grund kennzeichnen wir das Taxi mit Magnetaufklebern an der Seite, auf denen ,Ich verwende Wasserstoff‘ steht, da diese Kunden ein neutraleres Fahrzeug bevorzugen.“ E-TAXIS Mohan begann vor drei Jahren als „Stig“ von RTC. Sowohl RTC als auch Mohan hatten die gleiche Idee: Sie wollten das grüne Taxi populär machen. Und Mohan hat eine echte Leidenschaft dafür. Er begann seine Testfahrer-Karriere in dem einzigen Elektromodell, das zu der Zeit verfügbar war: dem Nissan Leaf. „Dieses war jedoch nicht wirklich als Taxi geeignet“, sagt er. „Man musste es mindestens eine Stunde aufladen und die Reichweite war sehr gering.“ Was haben Sie aus dieser Erfahrung gelernt? „Planung, sehr effiziente Planung. Von Zeit zu Zeit musste man eine Fahrt auslassen, da das Taxi nicht ausreichend aufgeladen war.“ Mit seinem nächsten Modell, dem E6 von BYD, hatte er damit weniger Probleme. „Ich habe meine regulären, vertraglich FOTO: RTC FOTO: Hyundai festgelegten Strecken, Schülerfahrten sowie Beförderungen sozial Schwächerer. Zur Mittagszeit hatte ich meine Pause und habe das Taxi im Unternehmen aufgeladen. Dies brachte mir eine Reichweite von weiteren 200 Kilometern ein. Viele Kollegen bevorzugen einen Mercedes. Sie tanken auf und können 600 Kilometer fahren. Ihre Reaktionen auf die E-Taxis (bei RTC gibt es 3 BYDs E6) fallen unterschiedlich aus. Sie glauben nicht, dass die Arbeit auf diese Weise praktisch ist. Es sollte mehr Ladestationen in der Stadt für E-Taxis geben. „Mit diesen Taxis können sie keine langen Krankenfahrten machen. Sie sind für die Stadt konzipiert. Wenn ich mir anschaue, wie verschmutzt die Innenstadt in Rotterdam sein kann, bin ich wirklich froh, dass ich etwas zur Verbesserung der Situation beitragen kann. Gegenwärtig erhalten Sie zwei Daimler für den gleichen Preis wie ein Elektrotaxi. Das ist nicht richtig. Wir könnten auch mit einer größeren Anzahl an Hybridautos als Taxis arbeiten.“ AUFTANKEN Einige der Minuspunkte des Leaf und des BYD wurden durch den Hyundai mit Brennstoffzellenantrieb beseitigt: „Das Auftanken dauert nur zwei Minuten, wenn der Tank fast leer ist – anderenfalls dauert es eineinhalb Minuten. Ich tanke auf, wenn es in meine Planung passt. Der Anzeiger gibt mir genau an, wie viel noch verblieben ist. Und nach dem Auftanken kann ich weitere 400 Kilometer fahren; dies ist deutlich mehr als mit den E-Taxis. Ich muss nicht mehr so genau planen“, freut sich Mohan. Als wir über den BYD gesprochen haben, sagte Mohan: „Die Menschen freuen sich immer, wenn sie ein Elektrotaxi sehen. Und sie machen Fotos.“ Hat sich dies geändert? „Nein, überhaupt nicht. Die Menschen staunen immer noch. ,Wird dieses Auto wirklich mit Wasserstoff angetrieben?‘, fragen sie mich immer. Und sie machen Fotos.“ Kris Mohan hat einen großen Wunsch (neben dem Wunsch, den ix35 weitere fünf Jahre zu fahren): „Der Verbrauchspreis, den wir für den Wasserstoff bezahlen. Er beläuft sich auf 10 Euro pro Kilo und das Fahrzeug wird mit etwa 4 Kilo beladen. Dadurch wird der Wasserstoff fast so teuer, als würde man Diesel verwenden. Auf diese Weise wird man bestraft, wenn man an die Umwelt denkt. Daher ist es wirklich notwendig, dass die Regierung sich damit befasst, wann sie die Nutzung dieser Fahrzeuge als Taxis fördern möchte.“ wf WASSERSTOFF-NEWS Toyota Mirai: ab Herbst auch in Europa erhältlich. TOYOTA MIRAI IN GROSSSERIE Bei der Entwicklung alltagstauglicher Wasserstoff-Fahrzeuge haben derzeit die Asiaten die Nase vorn. Neben Hyundai mit seinem ix35 FCEV hat auch Toyota mit dem Mirai ein Wasserstoff- Brennstoffzellenfahrzeug der oberen Mittelklasse für den Verkauf freigegeben. Der Mirai ist sogar das erste Modell, das in Großserie produziert wird. Der Toyota Mirai erzielt eine Reichweite von 500 km. Der Wagen wird mit einer System-Leistung von 154 PS angetrieben. Das Drehmoment liegt bei 335 Nm. Damit hat das Modell eine in etwa identische Reichweite und Leistung wie konventionell angetriebene Fahrzeuge. Der Wasserstoff wird in zwei getrennten Wasserstofftanks gespeichert. Der Verkaufsstart des Fahrzeugs war Mitte Dezember in Japan. Bereits im ersten Monat gingen 1 500 Bestellungen ein. Gerechnet hatte man mit 400 Einheiten. 60 Prozent der Nutzer kommen aus dem gewerblichen bzw. behördlichen Bereich. In Europa soll der Mirai ab Herbst erhältlich sein. Dann will Toyota den Kauf mit einem attraktiven Leasingmodell schmackhaft machen. In Deutschland beispielsweise wird der Mirai für eine monatliche Netto-Leasingrate von 1 219 Euro erhältlich sein, in der die Kosten für Versicherung, Service, Hauptuntersuchung sowie Sommerund Winterreifen bereits enthalten sind. AUFBAU DER INFRASTRUKTUR Mercedes-B- Klasse: Erste Prototypen fahren mit Wasserstoff. Mit der Marktreife der ersten Wasserstoff-Brennstoffzellen-Fahrzeuge wächst allmählich auch die Infrastruktur. In Deutschland wurde beispielsweise die erste Wasserstoff Tankstelle an einer Autobahn eröffnet. Bis Jahresende sollen 50 Stationen in den Metropoloregionen und entlang der Hauptverkehrsachsen entstehen. Derzeit sind 18 H2-Tankstellen öffentlich zugänglich, von denen TOTAL alleine sieben betreibt. Die Baukosten betragen etwa eine Viertel Million Euro. Zu den führenden Herstellern im Bereich der Wasserstoff-Technologie zählt das Unternehmen „Linde AG“. Man habe bereits 90 Tankstellen in 15 Ländern errichtet, betonte ein Pressesprecher des Unternehmens. In Wien betreibe man die weltweit erste Serienfertigung für H2-Tankstellen. jh 30 TAXI JUNI / 2015

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