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Taxi Times International - März 2015

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TAXI IM WANDEL Dr.

TAXI IM WANDEL Dr. Mundy: „Es gibt Gerichtsverhandlungen, die erst in zwei bis vier Jahren entschieden werden.“ Mac Urata von der International Transport Workers’ Federation (ITF), dem Internationalen Verband der Transportbeschäftigten, warnte, dass sich TNCs negativ auf die Sicherheit der Fahrer aus wirken könnten. In der Diskussion über TNC/Taxis nahm der Ausschuss „Das Taxi der Zukunft“ sehr viel Raum ein. IM FOKUS: APPS UND AUTONOMES FAHREN In den USA sind Apps schon länger ein Thema als in allen anderen Ländern. Bei einer Konferenz wurde die Unsicherheit des Taximarktes deutlich. Prognosen sind völlig unmöglich. Bei der weltweit größten Transportkonferenz, der Jahreshauptversammlung des TRB in Washington, D. C. vom 11. bis 15. Januar, wurde eine nicht unerhebliche Anzahl von Gesetzgebern, Registrierungsstellen, Fachleuten, Forschern, Lieferanten, Beratern, Regierungsvertretern und Akademikern in Diskussionen über Taxis, Taxi-Apps und selbst fahrende Fahrzeuge hineingezogen. Bei den zahlreichen Veranstaltungen über mit dem Internet verbundene und selbst fahrende Fahrzeuge gab es nur noch Stehplätze. Wenn Sie glauben, dass es bereits morgen selbst fahrende Fahrzeuge geben wird, dann täuschen Sie sich allerdings. Google, einer der Hauptentwickler, informierte bei der Konferenz darüber, dass es noch mindestens fünf Jahre dauern würde, in denen mehr Tests durchgeführt werden müssten. Denn noch habe die Software Probleme damit, Vorfälle auf und neben der Straße wie beispielsweise spielende Kinder richtig einzuordnen. Die Gesetzgebung ist der tatsächlichen Existenz selbst fahrender Fahrzeuge in vielen Bereichen weit voraus, obwohl in einem kleinen Industriegebiet in Singapur bereits Tests mit fahrerlosen Taxis durchgeführt werden. Bis zum vergangenen Jahr hieß es im Wiener Übereinkommen zum Straßenverkehr von 1968, dass ein Auto einen Fahrer am Steuer haben müsse. Eine nur wenig bemerkte Änderung des Übereinkommens lässt nun zu, dass Fahrer das Steuer fahrerloser Autos loslassen. Bisher machten die Themen Taxi und Mietwagen nur einen geringen Anteil an der Jahreshauptversammlung des TRB aus, meist im Rahmen des Behindertentransports. Aber die Aktivitäten von Apps haben das Thema Taxi mehr in den Vordergrund gerückt. In einer dreistündigen Sitzung („Taxis der Zukunft“) wurde tapfer versucht, diese dringende Angelegenheit ausführlicher zu beziffern. Die sogenannten Transportation Network Companies (TNCs) verändern die Taxilandschaft mit hoher Geschwindigkeit. Es wurde viel Bezug genommen auf die Deregulierung der Speditionsbranche in den USA in den 80er-Jahren. Und auch auf plötzliche Veränderungen in der Musikindustrie, die noch nicht so lange her sind. Erinnern Sie sich vielleicht noch an Napster? „Es gibt verschiedene Märkte mit verschiedenen – stellenweise beschränkten – Regelungen, verschiedenen Preismodellen und brandneuen Elementen. Jetzt gibt es mindestens zwei verschiedene Geschäftsmodelle“, so Dr. Ray Mundy (Taxi-Experte der Universität von Missouri). „Die Taxibranche wird sich mit schwindelerregender Geschwindigkeit verändern.“ FLUGHAFEN: TAXIS UND TNCS „Vergessen Sie nicht, dass diese Änderungen nur gut zwei Jahre alt sind. Es gibt noch offene Gerichtsfälle in Bezug auf TNCs, die erst in zwei bis vier Jahren entschieden werden. Und dann wird Berufung eingelegt.“ Prognosen? „Nein, völlig unmöglich.“ Es reicht wohl zu sagen, dass die App den Fahrer kontrolliert. Damit wird ein Arbeitgeber/Arbeitnehmer-Verhältnis geschaffen, wohingegen der Taxifahrer in den USA ein selbstständiger Betreiber ist. Dann gibt es noch Versicherungsprobleme, teilweise aus dem Grund, dass es keine Daten für die TNC-Versicherung gibt. Oder jedenfalls keine, die die TNCs gerne veröffentlichen würden. Dieser Datenschutz der TNCs ist ein allgemeines Problem, mit dem auch die Aufsichtsbehörden zu kämpfen haben. Erst seit Kurzem scheinen TNCs in Boston und New York bereit zu sein, sich von FOTOS: Wim Faber FOTO: Wim Faber ihren Daten zu trennen. „Und schließlich“, sagte Mundy, „beobachten die Flughäfen diese Entwicklungen sehr genau und überlegen, ob sie TNCs in ihre Geschäftsmodelle integrieren.“ Da die meisten Flughäfen innerhalb und außerhalb der USA diese Punkte selbst regeln, müssen Taxis vermutlich bald ihre Plätze mit TNCs teilen. Den TNCs, die reibungslosen Service mit immer weiter steigender Qualität anbieten, bereitet die Preissteigerung weiterhin Kopfzerbrechen. Nach Angaben von Curb, einem weiteren US- Wettbewerber, können die verschiedenen Mobilitätsmodelle nur auf einem ausgeglichenen und ebenen Spielfeld vollständig und fair miteinander konkurrieren. Ubers größer Konkurrent Lyft, der in 65 Städten in den USA aktiv ist, baut auf den halbherzigen Fahrgemeinschaftsinitiativen aus den 70ern auf, allerdings mit anderer Technologie und mehr Effizienz. Die App gibt an, dass Fahrzeuge und Lebensläufe geprüft werden und für eine angemessene Versicherung gesorgt wird. Die App ist jetzt 2,5 Jahre alt und übernimmt nach eigenen Angaben häufig Zubringerfunktionen zu öffentlichen Transportmöglichkeiten (hauptsächlich in San Francisco) und stößt in viele Bereiche mit niedrigerem Einkommen vor. Jüngste Entwicklungen: Lyft Line, ein billigeres Fahrgemeinschaftssystem für einen oder zwei Fahrgäste und „Fahrerzielort“, bietet nur Abholungen auf dem Heimweg des Fahrers. Obwohl Lyft betont, dass „wir uns Regelungen wünschen“, sieht das Unternehmen die Rahmenbedingungen für die berufliche Ausbildung der Taxifahrer als eine „Eintrittsbarriere“. WER KÜMMERT SICH UM DIE UMWELT? Das Thema Umwelt („Unterstützen TNCs die Umwelt oder schaden sie ihr vielmehr?“) wurde von Green Tomato Cars, einem vor zehn Jahren gegründeten, umweltfreundlichen Limousinenunternehmen, das nun im Eigentum des französischen Unternehmens Transdev ist, angesprochen. Laut ihm sind in den Bereichen Straßeninfrastruktur und Technologie umfassende Änderungen im Gange. „Städte werden vollständig elektrisch betrieben werden. Ich würde mein Geld auf fahrerlose Elektrofahrzeuge setzen, die laufend per Induktionsschleifen aufgeladen werden.“ Die Kehrseite wird sein, dass Apps und Privatfahrzeuge verschwinden und der flexible öffentliche Personenverkehr die Herrschaft übernimmt. „Uber und Lyft werden die Lücke umgehend mit mehr Fahrzeugen füllen und somit zu mehr Staus beitragen.“ Das ist nicht gerade zum Vorteil der Umwelt. Da Universal-Apps in den USA gerade der letzte Schrei zu sein scheinen, äußerte Autocab, ein Zulieferer von Abfertigungssystemen aus dem Vereinigten Königreich: „Ja, die Taxibranche ist wettbewerbsfähig!“ Sie vereinigt mittlerweile verschiedene und miteinander konkurrierende Flotten in einer universalen Auftragssoftware. Washington, D. C. entwickelt intern seine eigene App. Und seine nun aufgeräumte Flotte akzeptiert jetzt Kreditkarten und wird in wenigen Jahren vollständig rollstuhlgeeignet sein. „Was steht von aufsichtsrechtlicher Seite auf dem Spiel?“, fragte der Berater Bruce Schaller. „Anpassung der gegenwärtigen aufsichtsrechtlichen Struktur und außerdem die Schaffung eines ausgeglichenen Spielfeldes oder Einführung von ,Uber-Regelungen‘ mit einer Abwärtsspirale, in der schließlich der am wenigsten respektierte Betreiber gewinnt.“ Ihm zufolge wird die wachsende Taxi- und Mietwagenbranche (plus 42 Prozent zwischen 2002 und 2012) von einer archaischen Vorschriftenstruktur geregelt, die die Vorschriften für Taxis, Mietwagen und TNCs in einer Behörde vereinen soll. Gibt es eigentlich auch gute Neuigkeiten? Laut Matt Daus, ehemals bei der Aufsichtsbehörde in New York und Präsident der International Association of Transportation Regulators IATR, findet gerade eine aufsichtsrechtliche Gegenreaktion statt. „Uber und Lyft haben verloren, die Aufsichtsbehörden haben gewonnen.“ Innerhalb eines Zeitraums von zwei Jahren werden in einer der vielen Gerichtsverhandlungen die TNC-Gesetze für nichtig erklärt und dann liegt die Verantwortung wieder bei den Aufsichtsbehörden, so Daus. Und die Datenspionage- und Datenschutzfragen, gegen die Uber so gekämpft hat, werden auch nicht einfach verschwinden. Auch in diesem Bereich gibt es Gerichtsverhandlungen. Wir leben in aufregenden Zeiten. • wf Die Jahreshauptversammlung des Transportation Research Board (TRB) in Washington DC (11.–15. Januar) ist die weltgrößte Transportkonferenz mit 12 000 Fachleuten, 5 000 Vorträgen, 750 Sitzungen. Ein riesiger „Wissenssupermarkt“. Dieses Mal waren Taxis, Apps und selbst fahrende Fahrzeuge die heißesten Themen. 10 TAXI MÄRZ / 2015 11

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