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Taxi Times International - März 2015

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GASTKOMMENTAR WETTBEWERB

GASTKOMMENTAR WETTBEWERB ZUR PERSON: Christoph M. Schwarzer arbeitet und lebt als freiberuflicher Journalist in Hamburg. Sein Fachgebiet ist die Energiewende beim Auto. Beiträge von ihm finden sich bei „Die Zeit“ und „Zeit online“, in der „Auto-Bild“ sowie bei „heise Autos“. Außerdem ist er als Berater fürs ZDF tätig. UNBEGRENZT ELEKTRISCH DIE WETTE AUF EINEN ANGEZÄHLTEN Ein japanischer Autohersteller hat das erste in Großserie pro duzierte Fahrzeug mit Wasser stoff antrieb vorgestellt. Nun sollten die ersten Modelle schleunigst als Taxi ein gesetzt werden, sagt unser Gast kommentator. Mirai ist Japanisch und bedeutet Zukunft. So nennt To yota sein mit Wasserstoff betriebenes Brennstoff zellen auto. Im Januar wurde das erste Exemplar von Firmenpräsident Akio Toyoda persönlich an Premierminister Shinzo Abe übergeben. Dem Heimatmarkt folgen die USA und Europa; zu Beginn werden nur wenige Hundert Autos im Jahr produziert. Es wäre schmerzhaft, falls dieses mobile Stück Innovation nur für einflussreiche Menschen in herausragenden Positionen erfahrbar wäre. Wenn die breite Öffentlichkeit ein Gefühl für den Mirai bekommen soll, gäbe es einen idealen Zugang dazu: den Einsatz als Taxi. Brennstoffzellenfahrzeuge sind die Königsdisziplin unter den Elektroautos. Statt den Strom in einer stundenlangen Geduldsprobe in eine übergewichtige und voluminöse Batterie zu laden, macht der Mirai ihn an Bord. Aus Wasserstoff und Umgebungs luft wird elektrische Energie, die den 113 kW (154 PS) starken Motor antreibt. In drei Minuten sind die Tanks gefüllt. Dann geht es über 500 Kilometer geräuschlos und komfortabel für Fahrer und Passagiere durch die Straßen. Es ist eine Spekulation, aber eine mit Sinn: Toyota könnte einige der frisch gebauten Mirai als Taxi ausliefern. Für die Tour durch Los Angeles in Kalifornien, Hamburg in Deutschland oder London in Großbritannien. Voraussetzung für den Verkauf in einem Land, das lassen die Japaner durchblicken, ist eine funktionierende Infra struktur. Ohne Wasserstoff-Tankstellen geht es nicht. Und die werden häufig durch staat liche Institutionen gefördert und errichtet. In Japan etwa hilft die NEDO (New Energy And Industrial Technology Development Organization“), und in Deutschland ist die Nationale Organisation Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie, kurz NOW, erfolgreich aktiv. Der Vorteil der Technik ist offensichtlich. Das elektrische Fahren mit der Brennstoffzelle ist unbegrenzt und damit dem mit Batterie überlegen: Kein Taxifahrer muss kalkulieren, ob er die gewünschte Strecke noch schafft. Das Gefühl, immer irgendwie am Kabel zu hängen, ist Vergangenheit. Genauso wie die Sorge, mit einer im Winter einbrechenden Reichweite rechnen zu müssen. Brennstoffzellenautos sind uneingeschränkt flexibel und praxis tauglich. PARALLELEN ZUM PRIUS Bei Toyota will man den Kunden außerdem mit einer Tugend überzeugen, für die das Modell Prius millionen fach bekannt ist, und das ist die Zuverlässigkeit. So sind weite Teile des Mirai mit dem Prius identisch. Vereinfacht formuliert wurde der Verbrennungsmotor durch den Brennstoffzellen-Stack und der Benzinmotor durch die Druck gas tanks ersetzt. Mit dieser Methode will man zugleich die Kosten in den Griff bekommen. Denn weil es noch keine hohen Stückzahlen gibt, kann der Autohersteller keine Skalen effekte erzielen. Die Preise schwanken regional zwischen 50 000 US-Dollar und 78 000 Euro. Ob sich das mit Wasserstoff betriebene Brennstoffzellen auto Mirai gegen die Konkurrenz der Batteriefahrzeuge durchsetzen kann, ist offen. Klar aber ist, dass es im Arbeits alltag eines Taxis auf die perfekte Kombination aus permanenter Verfügbarkeit und niedrigen Kosten ankommt. Hier stehen die Chancen also gut. Sicher ist dazu, dass eine Konkurrenz der Fahrzeugtechnologien das Geschäft belebt. Und das ist dringend nötig bei einem Markt, der lokal häufig zu monoton war. Bald stehen die Mercedes-Modelle mit Dieselmotor, die Toyotas mit Hybrid antrieb und die Batterieelektrischen Nissans mit einem vierten Konzept im Wettbewerb: dem Brenn stoff zellen auto. Möge der Beste gewinnen. n cms FOTOS: Toyota, Schwarzer ZEICHNUG: R. Löffler Die letzten Wochen waren welt weit von massiven Uber-Verboten geprägt. Die Inves toren scheint das nicht zu beeindrucken. Es ist, als würde Uber mit seinem Dienst UberPOP einen Boxkampf führen und dabei jede Runde heftige Treffer einstecken müssen. Hier ein Verbot, dort eine Anklage, hier ein Datenskandal, dort eine Vergewaltigung. In jeder Runde wird Uber ein wenig mehr angezählt. Trotzdem steigen nach jedem Gongschlag die Wetten auf das Unter nehmen. Investment firmen stecken immer mehr Geld in Uber. Mittlerweile hat das Unternehmen einen Wert von 40 Milliarden Dollar (siehe neben stehender Vergleich). Steinreich, aber illegal. Vor allem bei seinem Dienst UberPOP bekommt das US- Unternehmen die Grenzen aufgezeigt. In immer mehr Ländern sprechen Regierungen oder Gerichte eindeutige Verbote aus. Seit Dezember ist UberPOP in Rio de Janeiro illegal, aus Europa kam der Stopp unter anderem in den Niederlanden und in Spanien, zum Jahreswechsel auch in Frankreich. In Asien wurde Uber in Indien, Südkorea und Thailand verboten. Anfang Januar zog schließlich auch noch China nach. Das Transportministerium untersagte mehrere Fahrtenvermittlungs-Apps, die auf Privatfahrer ohne Taxi-Lizenzen zurückgreifen. Selbst im Mutterland des Konzerns müssen sich Uber und der dortige Wettbewerber Lyft vereinzelt zurückziehen. Am 26. November verbot der Bundes staat Nevada den Betrieb, am 21. Dezember wurde der Betrieb in Portland, Oregon für drei Monate ausgesetzt. In vielen anderen Regionen ließen sich die Uber-Verantwortlichen nicht davon abhalten, weiterzumachen. Mithilfe der Milliarden von Dollars, die trotz negativer Schlagzeilen (in Indien soll beispielsweise ein Uber-Fahrer eine Frau vergewaltigt haben) von Investmentbankern nach wie vor in das Unternehmen gesteckt werden, bezahlen Travis Kalanick und seine Mitarbeiter auch die fälligen Bußgelder. Oder es werden teure Anwälte engagiert, die gegen solche Bescheide vor Gericht klagen. Auch hoch bezahlte Lobbyisten arbeiten für Uber. In Washington sollen allein 100 von ihnen mit den dortigen Politikern in regem Kontakt stehen. Vieler orts hilft selbst das nicht. In Deutschland wurde bereits im November die Beschwerde gegen das UberPOP-Verbot eines Hamburger Verwaltungs gerichts vor der höchsten Gerichts instanz abgewiesen. Um den Dienst nicht komplett einstellen zu müssen, bietet Uber in Hamburg, Berlin und Düsseldorf nun Fahrten zu Dumpingpreisen unterhalb der Fahrzeug kosten an, was nach deutschem Gesetz legal ist. Die Fahrer sollen zum Ausgleich des geringen Fahrpreises Zahlungen erhalten, heißt es. In Spanien hatte das Gericht schon Anfang Dezember ein Verbot ausgesprochen, doch Uber hatte UberPOP weiterhin angeboten. Daraufhin zog Spaniens Oberster Gerichtshof am 27. Dezember die Reißleine: Nun bekamen die Telekommunikations dienste und die Kreditkarten dienstleister die Auflage, „mit sofortiger Wirkung“ ihre Dienste Uber nicht mehr zur Verfügung zu stellen. Somit wurde dem Unternehmen die technische Grund lage seiner Geschäfts idee entzogen. Wenige Tage danach gab Spaniens Uber-Manager Carles Lloret bekannt, UberPOP einzustellen. Womit wir wieder beim Vergleich mit einem Boxkampf wären. Niederlage durch technischen Knock-out. Den Inves toren wird ein solches Ende sicher nicht gefallen. njh ÜBRIGENS … Über sämtliche Uber-Entwicklungen und viele weitere aktuelle Themen aus der Taxi welt berichtet Taxi Times zwei mal pro Woche in einem Newsletter-Update. Die An meldung ist unter www.taxi-times.com/newsletter jederzeit möglich. 30 TAXI MÄRZ / 2015 31

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