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Taxi Times International - Oktober 2015 - Deutsch

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INTERVIEW INTERVIEW MAC

INTERVIEW INTERVIEW MAC URATA (ITF) „WIR MÖCHTEN DIE BEDINGUNGEN DER FAHRER QUALITATIV VERBESSERN“ Seit Uber ist Mac Urata, Geschäftsführer der Transportsektion im Bereich Binnenverkehrssektionen der Internationalen Transportarbeiter-Föderation (ITF), ein viel beschäftigter Mann. Plötzlich steht das Taxigewerbe wieder im Rampenlicht der Gewerkschaft. Uratas Auftrag ist nicht nur ziemlich umfassend, sondern auch sehr vielfältig: Am Londoner Hauptsitz der ITF ist er für die beiden Sektionen Eisenbahn- und Straßentransport zuständig. Letztere betrifft Lkw-, Bus- und Taxifahrer. Obwohl er der Frage nach seiner bevorzugten Gruppe geschickt ausweicht, ist klar zu erkennen, dass die Taxibranche im Moment doch einiges an Zeit in Anspruch nimmt. „Die Taxibranche ist nicht einmal eine nationale Branche. Im Gegensatz zu Seetransporten und der zivilen Luftfahrt ist sie häufig stadtbasiert. Ironischerweise hat Uber plötzlich für die Globalisierung der Taxibranche gesorgt. Und Uber hat auch bewirkt, dass wir uns bei der ITF mehr auf die Taxibranche konzentrieren.“ TAXI TIMES: Aber Ihre Präsenz in der Taxibranche ist nicht überall flächendeckend. MAC URATA: „Sie haben recht. Bei einer weltweiten Betrachtung können wir sehen, dass die Taxigewerkschaften in Japan und Südkorea ziemlich erfolgreich waren. Auf den Philippinen und in Indonesien konnten wir einige Erfolge verzeichnen. In Indien mit seiner sehr fragmentierten nationalen Branche und vielen verschiedenen Modellen war es komplexer. Dort unterstützten wir die Taxifahrer bei der Förderung ihrer eigenen Verbände zum gegenseitigen Vorteil. In Nepal konnten wir vor 15 Jahren eine neue Gewerkschaft für Taxifahrer gründen. In Australien und Neuseeland sind wir nicht so gut vertreten wie in Japan.“ Bis dort die Deregulierung im Taxigewerbe eingeführt wurde. „Man versuchte daraufhin, die Taxifahrer auf Unternehmensebene zu organisieren, um sicherzustellen, dass sie zumindest den Mindestlohn erhalten. Leider ohne Erfolg. In Ländern wie den USA und in einigen europäischen Ländern hat es uns »Ironischerweise hat Uber plötzlich für die Globalisierung der Taxibranche gesorgt.« nach Wellen der Deregulierung ebenfalls hart getroffen. In den USA und Schweden zum Beispiel war die Organisation und Neuorganisation der Taxifahrer ziemlich schwierig – insbesondere, weil deren Status zu ‚scheinselbstständig‘ gewechselt hat. Diese Entwicklungen geschahen auch in verschiedenen Zeiträumen. Ab 1998 gab es in den USA einige Aktivisten, die die Taxigewerkschaften neu entwickelten, insbesondere in New York. Bis 2003/2004 hatten sie stark an Einfluss gewonnen.“ Also kam Uber zur rechten Zeit, um Ihre Gewerkschaften wieder zum Handeln zu bewegen? „In der jüngsten Vergangenheit hat sich die New Yorker Taxigewerkschaft, die New York Taxi Workers Alliance, unter der Führung von Bhairavi Desai zu einer nationalen Gewerkschaft entwickelt und ist jetzt in San Francisco, Philadelphia, Austin und Montgomery, Maryland, tätig. Es sollte eine landesweite Taxigewerkschaft gegründet werden, die als Mitglied der nationalen Bewegung AFL-CIO akzeptiert wurde. Die erste Gewerkschaft in New York vertrat größtenteils selbstständige Auftragnehmer. In Kanada gibt es einige landesweite Gewerkschaften, die einige der Taxifahrer in den Provinzen vertreten.“ FOTO: Wim Faber Und in Europa? „Im Vereinigten Königreich gibt es sehr starke Transportgewerkschaften wie Unite und GMB, die auch in London im Taxi- und Mietwagengeschäft aktiv sind. Ach ja, und zu einem gewissen Grad die Eisenbahngewerkschaft RMT.“ In Belgien sind 26 Prozent der Taxifahrer Mitglieder einer der drei Gewerkschaften. „In vielen Fällen sind die Fahrer Angestellte des Unternehmens. Und die Zusammenarbeit zwischen den Gewerkschaften und den Arbeitgebern ist gut. In Deutschland schlagen sich die Gewerkschaften nicht besonders gut – genau wie in Frankreich, wo einige Taxifahrer Mitglieder der CGT sind. Der Nahe Osten ist ein riesiger blinder Fleck für die Gewerkschaften.“ Uber hat nicht nur dafür gesorgt, dass die Gewerkschaften wieder in Aktion traten, sondern sie auch noch dazu gezwungen, ihre Handlungen zu koordinieren? „Im September letzten Jahres hatten wir ein Strategiemeeting, bei dem 13 Länder, darunter Europa, USA, Kanada und Indien, vertreten waren. Das war der Beginn der Uber-Kampagne. Zwischen den verschiedenen Gewerkschaften werden Zeitungsausschnitte und andere E-Mail-Informationen ausgetauscht. Und wir unterstützen einander so gut wie 14 TAXI OKTOBER / 2015 15

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