Aufrufe
vor 5 Jahren

Taxi Times International - Oktober 2015 - Deutsch

  • Text
  • Taxis
  • Fahrer
  • Taxifahrer
  • Taxibranche
  • Uber
  • Oktober
  • Taxiunternehmen
  • Taxigewerbe
  • Athen
  • Toyota

ÖSTERREICH ÖSTERREICH

ÖSTERREICH ÖSTERREICH TAXI-OBMANN ERWIN LEITNER: KASSENRICHTLINIE: 2016 GENÜGT NOCH EIN HANDSCHRIFT- LICHER BELEG Eigentlich sollte bis Ende Juli darüber Klarheit herrschen, ob das österreichische Taxigewerbe bei der gesetzlichen Einführung der Kassenrichtlinie zum „Mobilen Gewerbe“ gerechnet wird. Doch die Politik traf diese Entscheidung nicht im Juli (wie eigentlich versprochen), sondern erst Ende September. Jetzt bleiben nur noch wenige Wochen Zeit, um sich auf umfangreiche fiskalische Vorgaben technisch einzustellen. Im Teil 2 unseres großen Interviews bezieht Erwin Leitner Stellung zur kommenden Kassenrichtlinie, zur Elektromobilität und zu den Preisen für Krankenfahrten. TAXI TIMES: Herr Leitner, bei der gesetzlichen Einführung der Kassenrichtlinie wird das Taxigewerbe nun doch dem „Mobilen Gewerbe“ zugerechnet. Was heißt das für Österreichs Taxi- und Mietwagenunternehmen? ERWIN LEITNER: „Wenn die Branche unter das ‚Mobile Gewerbe‘ fällt, können Unternehmen die Kassenrichtlinie auch durch einen handschriftlichen Beleg erfüllen, der für jede Fahrt ausgestellt ÜBRIGENS In Österreich gibt es rund 13 000 Betriebe, die etwa 10 000 Taxis und 8 000 Mietwagen betreiben. 22 000 Taxilenker (so nennt man in Österreich den Fahrer) arbeiten im Taxiund Mietwagengewerbe. werden muss. Innerhalb der darauffolgenden Tage müssen die Umsätze dann in lückenloser nummerischer Reihenfolge in ein unveränderbares Buchhaltungsprogramm nachgetragen werden. Es darf keine Excel-Tabelle sein.“ Welche Aufbewahrungspflichten hat der Unternehmer? „Er muss von den handschriftlich ausgestellten und durchnummerierten Belegen einen Durchschlag aufheben.“ Diese Verfahrensweise ist eine Zwischenlösung für 2016. „Ja, ab 1.1.2017 müssen die Daten in ein externes Rechenzentrum exportiert werden.“ Hat die Politik schon definiert, welches Verfahren als manipulationssicher anerkannt wird? „Der Gesetzgeber lässt sich noch Zeit. Zertifizier ungsmöglichkeiten gibt es erst ab 1.7.2016. Für den Taxiunternehmer ist das problematisch – denn er muss sich jetzt schon Geräte anschaffen, von denen er aber nicht weiß, ob diese dann den gesetzlichen Anforderungen entsprechen.“ Im Falle der manipulationssicheren Datenübertragung auf einen externen Server ähneln sich die Anforderungen denen, die auch in Deutschland ab 2017 gelten sollen. Hier wurde ein sogenanntes Insika-Verfahren zur Manipulationssicherheit entwickelt. Wäre es nicht sinnvoll, das auch in Österreich einzusetzen, um das Rad nicht zweimal erfinden zu müssen? „Ich habe mich mit dem Insika-Verfahren sehr intensiv beschäftigt und halte das auch in Österreich für eine gute Lösung.“ Was raten Sie den Taxi- und Mietwagenunternehmern? „Wir werden bis Oktober das bereits bestehende Handbuch über die Registrierkassenpflicht überarbeiten und außerdem von allen Anbietern von Kassensystemen Angebote einholen. Diese Informationen werden dann auf der Homepage der jeweiligen Wirtschaftskammern der Bundesländer nachzulesen sein.“ Lassen Sie uns noch über zwei andere Themen reden. Umweltschutz ist für die Alpenrepublik Österreich besonders wichtig. Wie aktiv ist Österreichs Taxigewerbe im Bereich alternative Antriebe/Elektromobilität? „Es kommt langsam. Im Bereich Erdgas ist im ländlichen Raum das Tankstellennetz noch nicht so ausgeprägt. Viele Energieanbieter scheuen noch immer die hohen Investitionskosten. Eine Erdgaszapfsäule kostet bis zu 500 000 Euro.“ Bei der Elektromobilität könnte Wien der Vorreiter werden. FOTO: Taxi Times „Gott sei Dank wurden dort einige Schnellladestationen aufgestellt, sodass die ersten Fahrzeuge bereits angeschafft werden konnten.“ Die Politik möchte bis zu 250 Elektro- Taxis in Wien fahren lassen, findet aber trotz lukrativer finanzieller Förderung nicht genügend Teilnehmer. Haben Sie Verständnis für die Zurückhaltung der Unternehmer? „Es ist eben so, dass die eben angesprochen Schnellladestationen für 250 Taxis noch nicht ausreichen. Dazu kommt, dass trotz der finanziellen Förderung die Investitionskosten immer noch enorm sind. Und zu guter Letzt lässt sich der Umstieg nicht zu Ende kalkulieren, weil es keinerlei Erfahrungen über den Wiederverkaufswert gibt. Ich bin aber guter Dinge, dass wir diese Zahl schaffen. Die Wirtschaftskammer unterstützt diese Förderaktion voll und ganz.“ Wie groß ist der Anteil des österreichischen Taxigewerbes an Fahrten im Bereich der Kranken- und Rollstuhlbeförderung? „Gering. In kleineren Städten und auf dem Land ist das Fahrtenaufkommen zu gering, da lohnt sich eine Investition von bis zu 8 000 Euro in ein Spezialfahrzeug einfach nicht. In Wien beispielsweise gibt es wenige Firmen, die sich auf diesen Markt spezialisiert haben.“ Wie sieht es mit klassischen Krankenfahrten aus? „Die Abrechnung mit den Krankenkassen war lange Jahre sehr schwierig und ist zwischenzeitlich nur mehr mit einer speziellen Software auf elektronischer Basis möglich. Dazu ist es jedes Jahr eine große Herausforderung, die Fahrtentgelte zu verhandeln.“ Die Krankenkassen wollen möglichst wenig bezahlen? „Genau. Mit dem Argument, dass solche Fahrten ja nur ein Nebenprodukt des Taxigeschäfts sind.“ Und deswegen muss es billiger sein? Das klinkt nicht sehr logisch. „Taxiunternehmer sollen das über die Mischkalkulation wieder ausgleichen. Wie soll das in den ländlichen Bereichen gehen, in denen Krankenfahrten den Hauptteil des Geschäfts eines Taxibetriebs ausmachen? Aber ich musste mir in den Verhandlungen sogar sagen lassen, dass die variablen Kosten bei der Kalkulation keine Rolle spielen würden.“ Was antworten Sie darauf? „Ganz einfach: Freunde, ihr kassiert Sozialabgaben und habt eine Trinkgeldpauschale eingeführt, die euch allein im Bundesland Salzburg Mehreinnahmen von jährlich 400 000 Euro einbringen. Nur bei den Krankenbeförderungstarifen darf es keine Anpassung geben, weil hierfür kein Geld vorhanden ist. Das funktioniert nicht. Ich kann nicht immer nur Leistung fordern und diese nicht bezahlen wollen.“ TAXI-ERSATZFAHRZEUGE Festnetzpreis 6 ct/Anruf · Mobilfunkpreise maximal 42 ct/min 0180-2221 222 Bundesweit 24 Stunden Service Telefon TRP TAXI-RENT-PARTNER Risikofreie Anmietung beim Unfall durch Factoring Kompetente Mobilitätslösungen Zustellung binnen 4 Std. bundesweit ERWIN LEITNER (55) wurde im Juni zum neuen Obmann der Fachgruppe Taxi- und Mietwagen der Österreichischen Wirtschaftskammer gewählt. Er ist somit der höchste gewerbepolitische Repräsentant des österreichischen Taxigewerbes. www.taxirent.de Interessante Angebote von Taxi-Jahreswagen Kooperationspartner für verschiedene Taxi-Schutzbriefe 28 TAXI OKTOBER / 2015 29

TaxiTimes D-A-CH