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Taxi Times International - Oktober 2015 - Deutsch

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UNSERE MEINUNG NEWS

UNSERE MEINUNG NEWS Jürgen Hartmann und Wim Faber. HILTON UND LUFTHANSA ERWEITERN IHRE REISEKETTEN OHNE DAS TAXIGEWERBE Auf der App einer großen Hotelkette findet sich eine Übersicht über die von Uber-Fahrern am häufigsten angefahrenen Lokalitäten einer Stadt. MEHR QUALITÄT MUSS ZUR PFLICHT WERDEN Erstmals gibt es eine europäische Lernsoftware für Taxifahrer. Damit kann der Ausbildungsstandard erhöht werden. Jetzt muss das Taxigewerbe schnell Antworten auf die nächste Frage finden: Sollen Qualitätsmaßnahmen Pflicht werden? Und wenn ja, welche? In einer bemerkenswerten internationalen Zusammenarbeit hat das europäische Taxigewerbe eine modular aufgebaute E-Learning-Software (Taxistars) entwickelt, mit der Taxineulingen die Grundelemente einer professionellen Berufsausübung vermittelt werden, die aber auch erfahrenen Kollegen neue Blickwinkel aufzeigt – oder STARKE VERBÜNDETE Gut ausgebildete Taxifahrer erhöhen nicht nur die Qualität der Dienstleistung Taxi, sie sorgen auch für ein neues Selbstbewusstsein der Branche. Der Fahrer ist derjenige, der im direkten Kontakt mit dem Kunden steht. Je selbstbewusster er auftritt, desto sicherer fühlt sich der Fahrgast, desto leichter fällt die Entscheidung, beim nächsten Mal wieder auf den Taxi-Button zu drücken (anstatt auf Uber). Deshalb ist es positiv, wenn das Taxigewerbe wieder verstärkt in den Fokus der Gewerkschaften rückt. Lesen Sie dazu unser großes Interview mit Mac Urata, dem Geschäftsführer der International Transport Workers’ Federation (ITF). zumindest Selbstverständlichkeiten wieder ins Bewusstsein rufen soll. Das Programm ist in sieben Sprachen übersetzt und kann per PC oder per App abgerufen werden. Jetzt stehen die nationalen Verbände vor der großen Aufgabe, für eine rasche und hohe Verbreitung zu sorgen und die Betriebe, Taxizentralen, Verbände und Ausbildungsinstitute zu überzeugen, diese Lerninhalte in ihre (bisher existierenden) Qualitätsmaßnahmen zu integrieren. Die Tatsache, dass die Software dank breiter finanzieller Unterstützung der Europäischen Union kostenlos ist, dürfte die Aufgabe erleichtern. Initiator und Taktgeber dieses Projekts war ein griechisches Unternehmen, weshalb der symbolische Startknopf für Taxistars in Athen gedrückt wurde – in der Stadt, in der knapp 14 000 Taxis nur noch 60 bis 80 Euro in 14-Stunden-Schichten verdienen können und in der jeder einzelne Fahrer täglich um die persönliche Existenzsicherung kämpft. Da manche dabei den Pfad der Ehrlichkeit verlassen, wusste nahezu jeder Teilnehmer der Taxistars-Veranstaltung von überhöhten Fahrpreisen oder mangelnder Ortskenntnis zu berichten – gepaart mit Kommunikationsproblemen, da kaum ein Fahrer in Athen Englisch spricht. Schnell kam während der Diskussionsrunde deshalb die Frage auf, ob Lernprogramme und sonstige Qualitätsmaßnahmen auf freiwilliger Basis angeboten oder verpflichtend eingeführt werden sollten. Diese Debatte muss trotz aller Kontroversen zu einem Ergebnis kommen. Es ist sicherlich richtig: Höhere Einstiegshürden machen die Personalsuche noch schwieriger. Doch wenn eine Taxibranche regional, national und international bei den sich rasant ändernden digitalen Voraussetzungen weiterhin eine ernsthafte Alternative innerhalb der Personenbeförderung bleiben will, muss sie einen deutlich höheren Qualitätsmaßstab kurzfristig definieren und mittelfristig durchsetzen. BEI DEN NEULINGEN ANFANGEN Dabei sollte der Anfang bei denjenigen gemacht werden, die neu in die Taxibranche einsteigen. Wer jetzt neu dazukommt, muss die Fähigkeit und den Willen mitbringen, den Beruf des Taxifahrers mit einer Professionalität auszuführen, die weit über die Ortskenntnis hinausgeht. Taxiverbände und Taxizentralen müssen den Mut aufbringen, dies verpflichtend einzufordern. Sei es nun auf gesetzlichem Weg oder aufgrund von Privatinitiative. jh FOTO: Gudrun Hartmann FOTO: Business Wire, Wim Faber Die international agierende Hotelkette Hilton und die große deutsche Fluglinie Lufthansa haben vor Kurzem zwei bemerkenswerte Kooperationen bekannt gegeben: Lufthansa bietet seinen Passagieren bei der An- und Abreise vom Flughafen Düsseldorf einen Limousinen-Shuttle zum Festpreis an. Gebucht und durchgeführt werden die Fahrten über die Applikation myDriver, eine Firmentochter des international agierenden Autovermieters Sixt. Zum Service, der laut Lufthansa zu „taxiähnlichen Preisen“ angeboten wird, zählen ausgebildete Fahrer, direkte Abholung an der Wohnungstür bzw. im Ankunftsbereich sowie ein Gepäckservice. Sollten Verspätungen im Flugbetrieb auftreten, berücksichtigt myDriver das automatisch und erwartet den Gast ohne Extrakosten. Wenn der Düsseldorfer Testversuch positiv verläuft, wollen Lufthansa und myDriver diesen Service auch in anderen europäischen Städten anbieten. Diese wirklich schlechte Nachricht für das Taxigewerbe wurde vor wenigen Tage noch durch eine andere Meldung getoppt: Der MEHR BAHNHÖFE UND MEHR VOLUMEN Das von der niederländischen Bahn NS und dem Taxiverband KNV Taxi entwickelte System NS Zonetaxi ist in den Niederlanden nicht so beliebt wie sein Vorgänger Traintaxi. „Wir verzeichnen zwar ein Wachstum, aber wir benötigen mehr Volumen“, räumt Kees Miedema, Manager von NS Zonetaxi bei NS Stations, ein. „Im Vergleich zur Anfangsphase konnten wir einiges an Wachstum verzeichnen. Wir gewinnen jede Woche Hunderte Nutzer dazu. Unsere Richtung stimmt, es dauert aber, bis sich ein Produkt wie dieses etabliert.“ Das System soll 2017/18 bewertet werden. Vor drei Jahren fing NS Zonetaxi mit 24 Bahnhöfen an, schnell kamen weitere 24 dazu und dann stieg die Zahl auf 138 an. Diese Zahl wurde bei Traintaxi nie erreicht und NS möchte dieses Jahr sogar weitere 31 Standorte hinzufügen. „Wir sind der Ansicht, dass NS Zonetaxi ein sehr gut funktionierendes und hochwertiges Taxiprodukt ist, das einwandfrei funktioniert. Die Stammkunden sind sehr zufrieden.“ umstrittene Fahrtenvermittler Uber hat eine Zusammenarbeit mit der Hilton-Hotelkette bekannt gegeben. „Hilton Worldwide und Uber sind nun Partner und wollen Gästen ein neues Reiseerlebnis ermöglichen“, heißt es einer Pressemeldung. Dazu wurde in die „Hilton HHonors“-App – über die Hotelgäste bisher schon Zimmer buchen und einchecken oder ihr Zimmer per digitalem Schlüssel öffnen konnten – nun auch die Bestellfunktion eines Uber-Fahrzeugs integriert. Interessant dabei: Das angekündigte Reiseerlebnis soll in einigen amerikanischen Städten durch zusätzliche Features ermöglicht werden. Dazu zählen neben einer Erinnerungsfunktion für die rechtzeitige Fahrzeugbestellung auch ein Insidertipp der trendigsten Lokalitäten. Angezeigt werden diejenigen Lokale, die von Uber-Fahrern in der letzten Zeit am häufigsten angesteuert wurden. jh Der nächste Schritt ist eine spezielle NS-Zonetaxi-App, die im letzten Quartal dieses Jahres auf den Markt kommen soll. Aktuell müssen die Nutzer sich auf der Website des Systems registrieren und dort ihre Bestellung aufgeben. Die Mindestgebühr für die erste Zone von zwei Kilometern beträgt sechs Euro, und für jede weitere der nächsten Zonen bis zu höchstens 30 Kilometern kommen weitere drei Euro hinzu. „Damit sind sie geringfügig günstiger als die gewöhnlichen Taxis,“ fügt Miedema hinzu. Da viele Taxiunternehmen von NS nicht gerade begeistert sind und es höchstens als „Lückenfüller“ für die gewöhnliche Taxiarbeit sehen, musste die Finanzierung des Systems angepasst werden: Der jährliche Festbetrag Miedema: „NS Zonetaxibenötigt mehr Zeit und mehr Volumen.“ wurde durch eine Eintrittsgebühr von 750 Euro und durch einen Prozentsatz pro Fahrt ersetzt. Jedes Taxiunternehmen, das die nationalen Qualitätsstandards einhält, ist zur Teilnahme berechtigt. Also bleibt die Eingangsqualitätskontrolle bestehen. Es gibt für das NS-Zonetaxi-System keinen „Look“: Taxiunternehmen ziehen es vor, ihre Taxis neutral zu halten und keine Systemsticker zu verwenden. wf 6 TAXI OKTOBER / 2015 7

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